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Was ist eigentlich die Aufgabe der Sexualaufklärung?

Es gibt eine Frage, die die meisten von uns in fast jeder Lebensphase umtreibt. Wir stellen sie schon früh, und wenn wir älter werden, gewinnt sie immer neue Dimensionen. Die Frage lautet:

„Wo kommen die Babys her?“

Während Vierjährige sich darüber wundern, dass ein Geschwisterchen in Mamas Bauch einzieht, ist für Teenager besonders relevant, wie man es aus dem eigenen Bauch raushält. In den Zwanzigern wird dann für viele Menschen interessant, was das ganze mit Liebe, Stabilität, Rollenbildern und Lebensentwürfen zu tun hat. In den Dreißigern fragt man sich mitunter: Wer soll das ganze bezahlen?, bis wir irgendwann viel später vielleicht selbst gefragt werden: „Wo kommen die Babys her?“, und nicht wissen, was wir darauf antworten sollen.

Sexualaufklärung ist universal

Kurz gesagt: Sexualaufklärung ist kompliziert. Sie betrifft nicht nur die großen Fragen zu Bienchen und Blümchen, sondern erstreckt sich auf unser Sozialleben, unsere Lebensentwürfe, unseren Umgang miteinander. Sexualität wird zwar gerne auf genitales Geschehen heruntergebrochen, umfasst aber viel mehr: die Grenzen zwischen Sexualität, Gesellschaft und Selbst sind fließend. Aus diesem Grunde sind sich auch Experten heute darüber einig, dass gelungene Sexualaufklärung mehr bedeutet, als über Kondome, die Pille und den Tripper zu informieren. Sexualaufklärung betrifft einen wesentlichen Teil unseres Zusammenlebens und besonders Jugendliche wollen mehr wissen: über Zärtlichkeit, über Liebe, über Kummer, über sich selbst.

Am Anfang steht der Körper

Geboren werden wir als Körper, unsere ersten Erfahrungen sind körperlich, unser Kontakt mit den Eltern spielt sich im Wesentlichen über die Haut ab, über Berührungen und Zärtlichkeit. Wie wir als Babys Körperlichkeit erfahren, bestimmt auch wie wir Gefühle von Vertrautheit, Sicherheit und Geborgenheit entwickeln. Es gilt heute als anerkannt, dass die Erfahrung und Entdeckung der Dimensionen der Körperlichkeit für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen von Geburt an zentral sind. Dabei ist es jedoch stark von Religion, Biographie, kulturellen Hintergründen, gesellschaftlichen Anschauungen und herrschenden Vorurteilen geprägt, wie offen und angstfrei junge Menschen tatsächlich mit sich selbst umgehen lernen können. Auch ist der Einfluss der Eltern begrenzt: Zwar können Eltern etwa einem Mädchen zu vermitteln versuchen, dass sein Körper an und für sich wertvoll und sein Geschlecht nichts schmutziges ist – in der Realität werden solcherlei Anschauungen trotzdem mit dem kollidieren, was gesellschaftlich kursiert, denn der Common Sense bringt leider nicht immer die fortschrittlichsten Körper- und Rollenbilder hervor. Sexualaufklärung ist also immer auch konflikthaft.

Sexualaufklärung beginnt mit dem ersten Lebensjahr

Um dem Kind einen verantwortungsvollen und offenen Umgang mit sich selbst zu vermitteln, ist es für Eltern wichtig, Sexualaufklärung schon früh zum wesentlichen Bestandteil der Erziehung zu machen. Sexualaufklärung beginnt nämlich nicht erst da, wo Kinder erste technische Fragen zu Geschlechtsorganen, Babys und dem Unterschied zwischen den Geschlechtern stellen. Sie beginnt im weitesten Sinne schon dann, wenn Eltern ihren Kindern vermitteln, dass der Umgang mit dem eigenen Körper, Neugier, Lust und Spiel, kein Tabu sind – sondern etwas Schönes. Denn schließlich spielen bereits Babys und Kleinkinder mit Freude mit ihren eigenen Körpern. Sexualaufklärung findet zum Beispiel auch statt, wenn Kinder sprechen lernen: Ein Kind sollte zeitgleich die Namen aller Körperteile benannt bekommen, auch der Geschlechtsteile. So lernt es schon früh, dass das Geschlecht ein normaler Teil seines Selbst ist.

Oberstes Ziel der Sexualaufklärung ist, das Selbstbewusstsein des Kindes zu stärken 

Wenn Kinder Fragen stellen, sollten sie auch beantwortet werden, wenn möglich sofort. Kindgerecht natürlich, wenn nötig kurz, vielleicht abstrakt, aber niemals mit einem „das erkläre ich dir, wenn du größer bist.“ Wenn ihr Kind eine für Sie unangenehme Frage an einem öffentlichen Ort stellt wie etwa im Wartezimmer oder in der U-Bahn, sagen Sie ihm, dass Sie die Frage später beantworten und halten Sie sich daran. Kinder müssen lernen, ihre Eltern als Ansprechpersonen wahrzunehmen und ermutigt werden, weiter Fragen zu stellen. Mit Maßregelungen erreichen Eltern, ohne es zu wollen, schnell das Gegenteil. Ziel der Sexualaufklärung ist schließlich zuallererst, dass Kinder einen offenen und neugierigen Umgang mit emotionalen und sexuellen Themen bewahren, um sich später angstfrei und selbstbewusst mit sich auseinandersetzen zu können. Für alle Geschlechter ist es wichtig, den Wert des eigenen Körpers sowie des ihres Gegenübers frühzeitig zu erlernen – nicht zuletzt, um „Nein“ sagen zu lernen und sexuellen Übergriffen und Ausbeutung vorzubeugen.

Die meisten, die selbst mal Jugendliche waren, wissen: Mit den eigenen Eltern über Sex zu sprechen, kann ganz schön peinlich sein.

Von erfolgreicher Sexualaufklärung kann man sprechen, wenn Jugendliche gelernt haben, dass Liebe, Sexualität und Körperlichkeit ein elementarer wie natürlicher Teil des Lebens sind. Trotzdem werden Jugendliche ab einem gewissen Alter eher Magazine, das Internet und Mitschüler*innen zu Rate ziehen, wenn es um speziellere Fragen geht. Das ist normaler Teil des Erwachsenwerdens und völlig okay. Ideal ist es, wenn Eltern ihren Kids diese Freiräume dann auch lassen und sich trotzdem als kompetenter, diskreter und verständiger Ansprechpartner für Fragen ihrer Kinder etabliert haben. Elementar ist, dass Jugendliche gelernt haben, verantwortungs- und respektvoll mit sich und dem eigenen Körper umzugehen.

Und die Hard Facts? 

Gespräche über Schwangerschaft und Verhütung, Zyklus und Monatsblutung sowie sexuell übertragbaren Krankheiten sollten spätestens zu Beginn der Pubertät geführt werden. Besonders, wenn die Kids älter werden, können ihnen auch geeignete Medien an die Hand gegeben werden. Ihr Kind sollte trotzdem wissen: Wenn etwas passiert, kann ich mich an meine Eltern wenden.

Für mehr Infos lesen Sie hier weiter:
→ Sexualaufklärung und Medienerziehung

 

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