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Illustration: Julia Pustet

Sex Myths #3: Sex ist für cis-Männer schwerer zu bekommen und einfacher zu genießen.

Cis-Männer haben beim Sex mit Frauen* statistisch gesehen mehr Orgasmen. Das ist zutiefst ungerecht und gemein. Männer können noch so schlechten Sex haben, in aller Regel wird er in einen Orgasmus münden und nicht in Alltagsgedanken, Taubheitsgefühle oder ein niemals endendes Orgasmus-Plateau. Außerdem gibt es da noch das Klischee, dass Männer grundsätzlich dankbar und glücklich über jede Möglichkeit sind Sex zu haben. Frauen hingegen würden mit ihrer Lust strategisch haushalten, statt auf der Suche nach der nächsten Triebabfuhr sabbernd durch die Bars zu schleichen.

Auch (cis-)Männer sind unsicher!

Kurzum: Man scheint davon auszugehen, dass Sex für Männer schwerer zu bekommen und einfacher zu genießen ist. 

Dabei fällt aber völlig unter den Tisch, dass auch die meisten Männer mit Unsicherheiten zu kämpfen haben. Die können zum Beispiel Körperlichkeiten betreffen: Bin ich zu dick, zu dünn, zu schmal, zu haarig, zu haarlos oder zu “unmännlich”? Ist mein Penis vielleicht zu klein, zu dünn, zu krumm, zu unbeschnitten, zu groß oder einfach nicht hart genug? Sehen meine Hoden komisch aus und wie steht mein Gegenüber eigentlich zu Schambehaarung? Viele Männer haben auch Angst nicht genug zu “leisten”. Also zum Beispiel zu schnell zu kommen, oder ihre Erektion zu verlieren. Das ist normal. Genauso wie Frauen und Queers haben auch Cis-Männer Angst, ihre Partner*innen nicht ausreichend zu befriedigen oder einfach nicht sexy genug zu sein.

Es läuft beim Sex nicht wie geplant? Bezieht seine Unsicherheiten nicht auf euch!

Das bedeutet für alle, die mit Cis-Männern schlafen: Behaltet im Kopf, dass eure Partner verletzlich sind und lasst euch davon nicht verunsichern! Wenn er beim Sex mit euch nicht kommt oder seine Erektion verliert, dann liegt das wahrscheinlich nicht an euch. Es kann einfach nur daran liegen, dass er gerade einen Knoten im Kopf hat. Es gibt auch Männer, die Lust empfinden und total auf euch abfahren und dennoch ihre Erektion verlieren.

“Bist du gerade… Oh.”

Wenn er sehr schnell kommt, ist Sensibilität das einzig Richtige. Natürlich: Es wäre wahrscheinlich schöner, jetzt einfach zu vögeln – darauf hattet ihr euch schließlich eingestellt. Aber nicht vergessen: Sex ist nach seinem Orgasmus nicht automatisch vorbei. Er wird vielleicht nicht unmittelbar danach anfangen euch mit dem Mund oder der Hand zu verwöhnen. Wenn ihr aber locker, liebevoll und anständig damit umgeht, dass es heute schnell ging, dann stehen die Chancen gut, dass die Stimmung nicht kippt. Und wenn ihr euch weiterhin nahe seid, gehts ja vielleicht später anders weiter. Zeigt ihm, falls es in die Stimmung passt, wenn ihr noch Lust habt. Viele Männer sind von einem vorzeitigen Samenerguss nämlich so verunsichert, dass sie sich nicht unbedingt vorstellen können, dass ihr Gegenüber sie gerade noch sexy findet.

Das Problem ist, dass es unter “echten Männern” immer noch tabu ist, sich ehrlich auszutauschen.

Behaltet im Kopf: Die meisten cis-Männer tauschen sich nicht sonderlich offen und ehrlich mit anderen Typen über ihre Unsicherheiten aus. Das ändert sich hoffentlich irgendwann. Bis es soweit ist, halten sie sich aber für den einzigen Mann weit und breit, der Probleme mit seiner Potenz, seinem Körper, seinen Techniken und seiner “Performance” hat.

Ihr seid mit Männern erfahren und wisst, dass es auch anderen Männern so oder so ähnlich geht? Ihr müsst ihn nicht direkt darauf ansprechen, aber ihr könnt ihm durch eure Körpersprache, durch Zärtlichkeiten, durch Umarmungen, Küsse und Intimität zeigen, dass ihr gerade immer noch Spaß daran habt, mit ihm im Bett zu liegen und nackt zu sein. Versucht einfach selbst, ohne Erwartungsdruck an Sex heranzugehen. So bekommt ihr Unsicherheiten gemeinsam am besten in den Griff.

Sensibilität hin oder her: Ihr habt ein Recht auf eure Lust!

Das alles soll nicht unter den Tisch fallen lassen, dass es ihn trotzdem gibt: Den Typen, der unsicher ist UND dem es egal ist, ob seine Partnerin den Sex genießt. Der Anspruch, dass Sex für alle Beteiligten schön und befriedigend ist, ist wichtig. Frauen* und Queers haben genauso Anspruch auf ein schönes und befriedigendes Sexualleben wie ihre männlichen Partner. Was also, wenn ihre Bedürfnisse unter den Unsicherheiten des Partners leiden? In solchen Situationen ist Sensibilität und Selbstbewusstsein gefragt. Über eigene Wünsche kann man nämlich auch sprechen, ohne den anderen unter Druck zu setzen.

 


Sex ohne Penetration gilt nicht, gegen alle Geschlechtskrankheiten helfen Kondome und wer masturbiert, ist einsam? Schluss mit den Mythen! In dieser Kolumne nimmt sich unsere Autorin Julia Lügen rund um die Themen Liebe, Sex und Romantik vor.

 

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