product

Was ist dran an Rollenbildern?

Mehr Tutorials mit
Love Records Plus sehen!

So sind Männer, so sind Frauen. Oder?

Rollenbilder – das ist so eine Sache. Sie sind überholt – oder sollten es zumindest sein. Was ist typisch Mann oder typisch Frau? Die meisten von uns haben sie aber trotzdem von Kindheit auf erlernt. Wir haben gelernt, was es heißt ein Mann oder eine Frau zu sein. Und wir haben auch gelernt, welches Verhalten, Auftreten oder auch Styling bei jemandem angebracht oder unangebracht wirkt – und was wir, ohne groß nachzudenken, für „normal“ oder “nicht normal“ halten.

Es wäre also falsch, alle Klischees als überlebt abzutun: Vielleicht sind Frauen nämlich wirklich irgendwie empathischer, weil sie es von Kindheit an beigebracht bekamen, während die heute so dominanten Jungs mit Durchhalteparolen über den Fußballplatz gejagt wurden. Vielleicht können sie sich manchmal besser um andere Menschen kümmern, weil sie als Kinder ihre Puppen gefüttert habe, und manche Jungs können besser mit Technik, weil es ihnen von früh an beigebracht und nahegelegt wurde. Aber es ist falsch, daraus zu schließen, dass Frauen und Männer von Natur aus so sind. Ein Beispiel: Es gibt ja auch Menschen, die denken, dass ein Geschlecht von Natur aus besser Auto fahren könne als das andere. Hier wird das mit der „Natur“ aber absurd, denn Autos wachsen ja schließlich nicht auf Bäumen. Und Geschlechterrollen eben auch nicht. Beide sind Produkte der Kultur, in der wir leben.

„It´s a boy!“

Fakt ist: Es gibt natürliche biologische Tatsachen wie Penisse und Vaginas, Regelblutungen und Schwangerschaften, Bärte und Rückenhaare. Aber da gibt es eben auch noch die Gesellschaft. Und die macht, dass wir jemanden aufgrund seiner*ihrer körperlichen Gegebenheiten als „Mann“ oder „Frau“ wahrnehmen und gewisse Vorannahmen über diesen Menschen machen. Wir interpretieren, was wir sehen. Das machen wir ganz automatisch.

„…is it?“

Die Geschlechterforschung macht deshalb heute auch einen Unterschied: Sie spricht nicht mehr nur vom Geschlecht, sondern es gibt sex und gender, zu deutsch: Biologisches und soziales Geschlecht. Damit kann man nämlich den Unterschied zwischen Biologie und sozialer Rolle viel besser begreifen. Und man kann beides auch trennen: Zum Beispiel gibt es Menschen, die zwar bei ihrer Geburt von Ärzten und Eltern als Mädchen bezeichnet wurden, sich aber gar nicht wie ein Mädchen fühlen – also auch kein Mädchen sind. Sondern eben ein Junge. Ein Trans-Junge. In dem Fall gehen gender und sex auseinander. Manche Menschen fühlen sich auch überhaupt nicht als Frau oder Mann. Und je offener eine Gesellschaft ist, desto einfacher ist es, damit zu leben und dazu zu stehen.

„Ach, das bisschen Haushalt!“

Aber wo kommen unsere festgefahrenen Weiblichkeits- und Männlichkeitsvorstellungen überhaupt her? Die meisten Dokumentationen und Biolehrer würden jetzt wahrscheinlich mit den Steinzeitmenschen anfangen: Jagen und Sammeln. Die Frage ist jedoch: Wieso eigentlich? Was verbindet uns mit den Steinzeitmenschen, außer dass sie immer irgendwas über uns beweisen sollen? Uns verbindet doch viel mehr zum Beispiel mit unseren Eltern oder Großeltern. Das waren vermutlich Leute, die in Gesellschaften lebten, in denen soziale Geschlechterrollen noch viel fester saßen als heute.

Es gab ziemlich genau ein akzeptiertes Modell sich fortzupflanzen und das Leben zu gestalten: Die lebenslange Ehe zwischen Mann und Frau, die in die bürgerliche Kleinfamilie mündete. Das hatte auch wirtschaftliche Gründe: Es war die Regel, dass der Mann für einen Lohn arbeitete, während die Frau, unbezahlt, die Hausarbeit erledigte und die Kinder und Alten erzog und pflegte. Drumherum rankte sich eine ganze Kultur: Werbung, in der Frauen für ihre Männer unterwürfig und immer fröhlich bügelten, backten, die Kinder versorgten. Filme, in denen die Männer den Lauf der Geschichte unter sich ausmachten, während Frauen die erotische Spannung, aufmunternde Worte und aufopfernde Hingabe beisteuerten.

Heute ist vieles natürlich ganz anders. In Familien müssen heute oft beide arbeiten, um sich und den Nachwuchs zu finanzieren. Außerdem haben feministische Kämpfe dafür gesorgt, dass Frauen heute rechtlich Männern viel gleichgestellter sind. Es ist kein Skandal mehr, wenn Männer den Haushalt machen oder homosexuelle Eltern Kinder adoptieren. Zumindest nicht in den offeneren Milieus.

„Starke Männer in Filmen werden immer mit Geld belohnt, starke Frauen mit Männern. Ich will aber auch mal Geld haben!“

Und trotzdem füllen Comedians, die Witze darüber machen, dass Männer ihre Socken liegen lassen und Frauen nicht einparken können, immer noch Stadien. In Filmen gibt es zwar immer mehr starke, handelnde Frauen und trotzdem bestehen die meisten Filme den sogenannten Bechedel-Test noch nicht. Das ist ein Test, nach dem ein Film als feministisch gilt, wenn es mindestens zwei Frauen gibt, die sich insgesamt mindestens 5 Minuten unterhalten, ohne über Männer zu sprechen. Frauen arbeiten zwar für Geld, machen aber Studien zufolge nebenbei meist noch den Haushalt der Familie oder der Pärchenwohnung. In reicheren Familien der Industriestaaten übernimmt vielleicht auch mal eine weitere, oft migrantische, meist schlecht bezahlte Frau den Haushalt – an der Rollenaufteilung zwischen den Geschlechtern ändert das aber nichts.

Die Liste der Beispiele ist lang: Geschlechterrollen existieren immer noch, und zwar auf kultureller, wirtschaftlicher und sozialer Ebene. Im Beruf. Im Sport. In der Schule. In der Familie. Und sie wirken sich besonders auf Frauen negativ aus. Aber auch Männer können natürlich darunter leiden: Der Druck, ständig Härte, Durchsetzungskraft und Dominanz beweisen zu müssen, macht auch vielen Männern zu schaffen. Denn es will und kann ja auch nicht jeder ein „echter Mann“ sein.

Was nun?

Rollenbilder bedeuten für viele von uns mehr Unfreiheit als Freiheit. Und sie sind Quatsch: Natürlich können Frauen genauso dominant, rational und intelligent sein wie Männer, und selbstverständlich können Männer so zartfühlend, multitaskingfähig und fürsorglich sein wie Frauen. Natürlich können Frauen Rasenmäher reparieren und Männer Cupcakes  verzieren. Wie aber setzen wir durch, dass das irgendwann überall als „normal“ gilt? Müssen alle Frauen jetzt aufhören, sich die Beine zu rasieren, um ihrem Klischee zu entkommen? Müssen leidenschaftliche Bäckerinnen aufs Verzieren von Cupcakes verzichten, um als feministisch zu gelten? Oder müssen Männer gegen ihr Stereotyp rebellieren, indem sie Tischdeckchen häkeln?

Nein. Wenn eine Frau gern kurze Kleider und hohe Schuhe trägt, Kuchen backt oder Pullover strickt, soll sie das auch tun – und wenn nicht, dann eben nicht. Und wenn ein Mann gern zum Fußball geht, soll er damit nicht aufhören. Aber es ist ein guter Anfang, sich selbst zu fragen: Wieso verhalte ich mich eigentlich so, wie ich das tue? Mache ich das gern, oder wird das nur von mir erwartet?

Jungs, fragt euch doch mal: Nehme ich Frauen genauso ernst wie Männer? Lasse ich sie ausreden? Traue ich ihnen mehr oder weniger zu als Männern? Und schmeißt meine Freundin vielleicht den ganzen Haushalt, weil ich angeblich „andere Sauberkeitsstandards“ habe? Und Mädels, fragt euch: Ist es eigentlich wirklich wichtig, dass mein Partner größer ist als ich? Möchte ich mir eigentlich von irgendwelchen Typen im Fitnessstudio Techniken erklären lassen, die sie selber nur auf YouTube gesehen haben? Wieso gibt der Kellner die Rechnung immer dem Mann am Tisch, und wer ist eigentlich wirklich gerade dran mit der Wäsche? Egal, ob in der Schule, im Einfamilienhaus in der Provinz oder in der Großstadt-WG: Geschlechterrollen sind immer noch überall. Und es liegt an uns, sie immer wieder aufzuspüren und zu hinterfragen.

 

 

LOVE RECORDS PLUS

Gemeinsam noch glücklicher werden?

Lerne mit unseren real-life Sextutorials von Love Records Plus.
Probiere es aus, melde dich jetzt an und erhalte ein Tutorial gratis!
!

JETZT GRATIS TUTORIAL SEHEN