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Erste Berührungen: Pubertät und Sexualität

Wie kommen Kinder und Jugendliche mit Sex in Kontakt – und wie sollten Eltern damit umgehen?

Sex ist überall: In der Werbung, im Fernsehen, im Internet. Es ist schwer zu sagen wann Kinder erstmals mit Sex konfrontiert werden, denn die Grenze zwischen Werbebannern, Pop-Ups und expliziter Pornographie ist fließend. Besonders US-Amerikanische Psychologen warnen davor, dass Kinder heute schon früh mit Sexualität in Berührung kommen. Ohne sie dabei freilich als solche zu erkennen oder zu verstehen. Die Sexualpädagogin Kathrin Hettler von pro familia beschreibt in der Welt die Tendenz, dass Kleidung für Kinder zunehmend sexualisierte Elemente übernimmt: “Wir beobachten das Phänomen, dass Kinder angezogen werden wie Erwachsene”. Auch Plattformen wie Instagram oder die Musik-Plattform musical.ly begünstigen, dass Kinder und Teenager mitunter früh lernen sich als Sexualobjekte zu begreifen.

Jugendliche und Internetpornos

Auch Pornos sind heute so leicht verfügbar wie noch nie. Jungs sehen nach einer Studie der Uni Mannheim ihre ersten pornographischen Bilder mit 14, Mädchen mit 14,8 Jahren. Oft findet der Erstkontakt allerdings schon mit 12 Jahren statt. Jungs suchen dabei eher selbst nach pornographischen Bildern und Videos, während Mädchen eher ungewollt damit konfrontiert werden. Während die Konfrontation mit Pornographie sicherlich Auswirkungen auf die Sexualität hat, beeinflusst sie den Zeitpunkt der ersten sexuellen Aktivitäten Studien zufolge scheinbar nicht wesentlich. Es ist also ein Mythos, dass Jugendliche immer früher Sex haben.

In einer Befragung von 160 Jugendlichen zwischen 16 und 19 findet die Sexualtherapeutin Urzula Martiniuk heraus: Die Befragten gucken häufig gezielt diejenigen Sexfilme, die sie individuell erregen. Außerdem zeigte die Befragung, dass Pornos mit Gewaltdarstellungen weniger zur Stimulation oder Masturbation genutzt werden. Sie dienen eher dazu andere Jugendliche zu verstören und zu provozieren. Wenn Jungs sich also gemeinsam auf dem Schulhof schockierende und gewaltverherrlichende Pornofilme ansehen, kann das laut Martiniuk vor allem eine Art “Mutprobe” sein. Jugendliche wollen sich damit vor einander profilieren. Zudem können sie sich durch gemeinsam und lautstark geäußerte Ekelgefühle Zugehörigkeit zueinander demonstrieren.

Frauenbilder, Männerbilder: Was machen sexualisierte Medien und Pornographie mit Jugendlichen?

Fakt ist, dass es heute viel mehr Studien gibt, die die negative Auswirkungen von Pornographie auf Jugendliche in ihrer Pubertät untersuchen als Studien, die sich mit den positiven Aspekten auseinandersetzen. Ein Zusammenhang gilt als bewiesen. Wer Gewaltpornographie konsumiert, neigt eher zu sexuell aggressivem Verhalten. Dies erklärt jedoch nicht, worin jeweils Ursache und Wirkung liegen. Ein wesentlicher Aspekt des Konsums von Pornographie betrifft außerdem das Geschlechterbild, das darin transportiert wird. Zahlreiche Studien belegen, dass Jungs, die viele Pornos gucken, häufig auch ein schlechteres Frauenbild haben und ideale Männlichkeit mit Aggressivität und Dominanz verknüpfen. Sie würden Frauen eher abwerten und dazu neigen sie als Sexobjekt zu betrachten. Ob ein direkter Zusammenhang mit dem Konsum von Pornographie besteht, ist noch nicht geklärt. Allerdings gaben in einer kürzlich durchgeführten Befragung etwa 50% der Mädchen mit 16 Jahren an in der Schule bereits von Mitschülern sexuell belästigt worden zu sein.

Auf Mädchen indes wirkt sich der Konsum von sexualisierten Medien unterschiedlich aus. Man kann festhalten, dass sie durch Pornokonsum lernen, sich selbst durch einen männlichen Blick zu betrachten. Das kann bei vielen Mädchen zu Unsicherheit und Selbstzweifeln führen, während andere weibliche Teenager wiederum Sexyness mit erfahrener Zuwendung und Zuneigung verknüpfen. Dies kann dazu führen, dass sie sich stark über ihre eigenen sexuellen Reize definieren und entsprechend auftreten. Gerade in diesem Fall ist es besonders wichtig, dass Mädchen in der Pubertät und junge Frauen lernen, ihre eigenen Grenzen zu kennen und zu achten. 

“Das da ist nicht echt”: Die Rolle der Sexualaufklärung

Aufzuhalten ist der Erstkontakt mit Pornographie kaum. Wie begleitet man also als Eltern Kinder, die schon im jungen Alter mit einer allgegenwärtigen Sexualisierung konfrontiert sind? Psychologen weisen darauf hin, dass Fragen von Kindern über Sexualität (“Wieso hat die Frau auf dem Plakat nichts an?”, “Was machen die da im Fernsehen?”) kindgerecht, aber ehrlich und ohne Scham beantwortet werden sollen. Je mehr Kinder lernen, dass man unverkrampft über Sexualität sprechen kann, desto besser lernen sie später damit ohne Ängste und Scham umzugehen. Außerdem lernen Kinder durch einen unverkrampften Umgang eher sich bei Unsicherheiten und Fragen anderen Menschen anzuvertrauen. Der Vermittlung von Medienkompetenz kommt ebenfalls eine große Rolle zu. So ist es bedeutsam, dass Kinder lernen wie etwa soziale Medien funktionieren und wie sich selbst einen sicheren Umgang damit angewöhnen. Wichtig ist auch, dass Mädchen lernen, sich nicht über ihre Schönheit zu definieren und ihr Selbstvertrauen nicht aus sexuellen Reizen zu ziehen.

Die gute Nachricht: Wenn Jugendliche eine gute Sexualaufklärung genossen haben, können sie mit pornographischen Bildern oft gut umgehen und Pornographie sehr wohl von der Realität unterscheiden. Wie sieht das erste Mal Pornos also aus? Wenn Jugendliche im Internet auf ihre ersten Sexvideos stoßen, sind sie meistens alleine. Sie trauen sich oft nicht mit Erwachsenen über ihre Erfahrungen zu sprechen. Nur vier Prozent der Jugendlichen wenden sich nach ihrem Erstkontakt mit Pornographie an erwachsene Bezugspersonen. Für Eltern gilt also: Kinder müssen im Wesentlichen aufgeklärt sein. Am besten bevor sie in die Pubertät kommen, denn dann beginnen viele Kinder sich bei Gesprächen mit ihren Eltern zu schämen. Diese neuen Grenzen zu ignorieren kann bewirken, dass sie nur noch weiter dicht machen. Übrigens: Wenn Eltern sich wünschen, dass ihre Teenager weiterhin seriös aufgeklärt werden, können sie ihnen auch informative Aufklärungsseiten im Internet zeigen.

“Hihihihihi” – verklemmte Pornoprofis

So liegt es auch an den Eltern ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Jugendliche auch über ihre eigene Sexualität und ihren eigenen Körper sprechen können. Sei es mit der besten Freundin. Denn eine Studie der Universität Hohenheim zeigt: Jugendliche haben heute immer noch große Probleme sich über ihre eigene Sexualität auszutauschen. Sie mögen Experten sein, wenn es darum geht wie man auf Youporn die Lieblingsclips findet – aber im Sexualkundeunterricht wird immer noch gekichert.

 

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