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Sind Pornos schädlich?

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Pornografie: Normen, Lust und Leistungsdruck

Pornografie ist heute leichter zugänglich als jemals zuvor. 2014 zählte man 4,2 Millionen Pornoseiten im Internet, die insgesamt mehr Besuche verzeichneten als Twitter, Amazon und Netflix zusammen. Wenn man die Klicks auf der Seite „Pornhub“ auf die Weltbevölkerung verteilt, hat 2016 jede*r von uns 12,6 Videos gesehen. Pornos haben also ziemlich sicher einen großen Einfluss auf uns und machen uns noch offensichtlicher Spaß. Und wenn etwas besonders viel Spaß macht, dauert es meistens nicht lange bis wir uns fragen: Schadet uns das?

„Hilfe, jetzt bin ich blind!“

Die Frage nach Schaden und Nutzen von Pornographie ist natürlich nicht einfach zu beantworten, weil viele dabei viele Aspekte eine Rolle spielen. So muss man unterscheiden zwischen individuellen und psychischen Folgen auf der einen und gesellschaftlichen Auswirkungen auf der anderen Seite. Letztere betreffen etwa die Geschlechterbilder, die in Pornofilmen transportiert werden und die uns am Ende dann doch individuell ziemlich stark betreffen können. Zuletzt wird besonders von konservativer Seite gerne gefragt, ob Selbstbefriedigung uns schadet. Die Antwort hierauf ist zumindest eindeutig: Nein. Selbstbefriedigung fördert die Gesundheit, das sexuelle Selbstbewusstsein, die Phantasie, senkt angeblich das Krebsrisiko und macht selbstverständlich nicht blind.

Wo ist meine Phantasie? Wie wir uns ohne Pornografie erregen

Tatsächlich raten Expert*innen jedoch dazu, sich Selbstbefriedigung zu pornographischen Videos und Bildern nicht zu sehr anzugewöhnen. Denn Sexfilme haben einen starken stimulierenden Effekt auf uns. Dieser macht es leicht, uns schnell zu erregen. Das bedeutet aber auch, dass sich Menschen, die immer zu Pornos masturbieren, unter Umständen verlernen, ihre eigenen Phantasien zu entwickeln und zu genießen. Außerdem liegt der Fokus bei dieser Art der Selbstbefriedigung auf den Bildern und häufig weniger auf der Erforschung des eigenen Körpers. Das allerdings für das eigene sexuelle Selbstbewusstsein und die Kenntnis erogener Zonen wichtig ist.

Auf neurologischer Ebene gibt es sogar Beweise für einen Zusammenhang von Erregbarkeit und Pornokonsum. In einer Studie des Max-Planck-Instituts, an der nur Männer teilnahmen, wurden die Gehirne von starken Pornonutzern mit den Gehirnen von Männern verglichen, die kaum bis wenig Pornographie konsumierten. Das Ergebnis war: Männer, die viele Pornos konsumieren, sind schwerer erregbar und reagieren schwächer auf das Ansehen expliziter Bilder und Videos. Der Grund dafür ist eine Verkleinerung des zuständigen Hirnareals. Unklar ist, was zuerst da war: Das Absterben der grauen Zellen oder der Pornokonsum. Die Ergebnisse der Studie legen jedenfalls nahe: Pornografie stumpft ab.

Porno und Körperbilder

Ein weiterer bedeutsamer Aspekt von Pornographie betrifft die Selbstwahrnehmung unserer Körper: Frauenkörper in den meisten kommerziellen Pornos sind makellos und schlank. Anal Bleaching“ und Schamlippenkorrekturen sind weit verbreitet. Sperma wird häufig durch künstliche Erzeugnisse ersetzt und Orgasmen durch geübte Performances. Solcherart Pornographie hat nicht zuletzt bedeutend zur Verbreitung unrealistischer Vorstellungen über Genitalien geführt. Die durchschnittliche Porno-Vulva ist klein, hautfarben, unbehaart und symmetrisch. Penisse sind in Pornos außergewöhnlich groß, beschnitten und durchgängig hart. Dass das Außergewöhnliche in der Porno-Realität zur Norm wird, kann sich auf das Verhältnis zum eigenen Körper auswirken. Während selbstbewusste und gefestigte Teenager laut Studien zwar gut zwischen Inszenierung und Realität unterscheiden können, haben Porno-Stereotype auf die meisten Jugendlichen eine einschüchternde Wirkung. Scham, Selbstzweifel und das Gefühl sind das Ergebnis. Im Zusammenspiel mit anderen Faktoren können diese Gefühle in Essstörungen oder dem starken Wunsch nach operativen Veränderungen resultieren.

Porn wasted youth?

Jungs sehen ihre ersten Pornos heute im Schnitt mit 14 Jahren, Mädchen mit 14,8 Jahren. Studien haben bewiesen, dass Jugendliche besonders anfällig sind für verzerrte Körper- und Rollenideale. Da Pornos häufig stark durch einen männlichen Blick auf Sex und Sexualität gezeichnet sind, lernen Mädchen durch Pornokonsum in vielen Fällen, dass ihre eigenen Bedürfnisse, Lüste und Grenzen weniger Wert sind als die Lust des Mannes. Häufig leiden sie auch unter einer verzerrten Wahrnehmung des eigenen Körpers und Selbstzweifeln. Während Jungs eher dazu neigen Männlichkeit mit Dominanz gleichzusetzen und Mädchen abzuwerten. Und natürlich macht das künstliche Pornoideal auch vor Jungs nicht halt. Es kann wie auch bei Mädchen Unsicherheiten bezüglich der eigenen Potenz, des eigenen Aussehens und der eigenen sexuellen Fähigkeiten auslösen.

Ein besonders wichtiger Aspekt: In kommerziell hergestellten Pornos wird fast immer auf Safe Sex verzichtet. Dies kann völlig falsche Signale an Teenager und auch Erwachsene senden. Denn selbstverständlich spielt der Schutz vor Geschlechtskrankheiten, HIV und Schwangerschaft gerade bei spontanen sexuellen Begegnungen eine große Rolle.

Wieso wir trotzdem nicht aufhören müssen Pornografie zu gucken

Da die Frage nach den negativen Auswirkungen der Pornographie auf uns einen viel größeren Stellenwert hat als die Frage nach den positiven Folgen, stecken in der Forschung nach den negativen schlichtweg größere finanzielle Mittel. Daher gibt es heute viel Material zu all den verheerenden Folgen der Pornographie. Während wir kaum Daten darüber haben, was wir von Pornos eigentlich lernen können und ob und inwiefern wir von ihnen profitieren. Fest steht aber zum Beispiel: Gerade Menschen mit selteneren Fetischen oder wenig Zugang zu tatsächlichen Möglichkeiten, ihre Fetische zu erforschen und auszuleben, kann Pornographie dabei helfen, sich selbst zu entdecken. Eine neue Studie aus Kanada hat ebenfalls belegt, dass Pornographie für die meisten Menschen ein aktives und offenes Sexleben unterstützen können oder zumindest die sexuelle Zufriedenheit nicht beeinträchtigt. Auch wird Paaren, die über ein Brachliegen des gemeinsamen Sexlebens klagen, bisweilen dazu geraten, sich auch in Pornos neue Ideen und Impulse zu holen.

Vielleicht ist es gerade in solchen Fällen wenig zielführend, zwei Plastikmenschen dabei zuzusehen wie sie Sex performen, den man in seinen besten Jahren so nicht hingekriegt hätte. Doch die gute Nachricht ist ja: Porno kann heute auch ganz anders. Die Produktion von frauenfreundlichen Sexfilmen boomt. Es gibt heute immer mehr Pornos, in denen sympathische und authentische Menschen Sex haben, bei denen es um Lust, Experiment und Freude geht. Pornos, bei denen die emotionalen Aspekte von Sexualität nicht ausgeblendet werden und Frauen selbstbestimmt agieren. Pornos, in denen man sich über eindeutig konsensuelle Handlungen ohne Skript und Vorgaben freuen kann. Es kann also ein guter Anfang sein, Neugier für Pornos zu entdecken, die alte Konsum-Muster durchbrechen.

 

 

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