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Illustration: Julia Pustet

Kinder und Instagram

Ab einem gewissen Alter beginnen viele Kinder und Teenager, sich für soziale Medien zu interessieren. Obwohl die Foto-App “Instagram” sich offziell an Teenager über 13 Jahren richtet, interessieren sich auch schon viele jüngere Kids dafür. Und auch Teenager, die die Altersbeschränkung einhalten, sollten durch die Eltern über die App aufgeklärt worden sein.

Wie funktioniert Instagram?

Instagram hat heute etwa eine Milliarde Mitglieder, davon leben 20% leben in den USA. Besonders beliebt ist Instagram bei Teenagern. Statistiken zufolge nutzen heute 63% der US-Amerikanischen Teenager zwischen 13 und 17 die App täglich. Mit Folgen für die psychische Gesundheit, wie eine Studie kürzlich zeigte: Besonders in Hinblick auf die Körperwahrnehmung von weiblichen Teenagern hat Instagram im Vergleich zu den vier anderen großen Plattformen Snapchat, Facebook, YoutTube und WhatsApp den negativsten Einfluss.

Die App funktioniert im Grunde sehr einfach: User laden mit dem Telefon Bilder hoch. Diese bearbeiten sie dann mit Filtern und versehen sie mit einer “caption”, das ist ein kurzer Text, oder Emojis. Die Bilder können mit sogenannten Hashtags versehen werden, um Themen zugeordnet und leichter gefunden zu werden. Angemeldete User bekommen alle neuen Bilder von Profilen, denen sie folgen, auf ihrer Startseite angezeigt und können quasi endlos nach unten scrollen. Zusätzlich können Bilder von Accounts empfohlen werden, die laut Algorithmus zu den eigenen Interessen passen. Per Direct Message (DM) kann man mit anderen Usern chatten.

Sozialer Erfolg ist mit Instagram ganz einfach messbar geworden.

Zwei zentrale Werkzeuge sind dabei Likes und Follows. Bilder können durch Klick auf ein Herz geliked werden, Profile gefollowed werden. Erfolgreiche Profile haben dabei bis zu mehrere Millionen Follower, während private Profile meist nur zwei- bis dreistellige Followerzahlen haben. Besonders erfolgreiche Accounts stammen meistens aus den Bereichen Beauty, Fitness und Mode. Ihre Betreiber*innen erreichen den Rang von Popstars. Accounts mit einigen tausenden Followern haben dabei nicht nur einen ideellen Wert: Wer genug Follower hat und damit beliebt genug ist, gilt als “social influencer”. Mit diesem Status kann man viel Geld mit Produktplatzierungen verdienen.

Für Teenager ist der Berufsstand des “Influencers” heute mitunter zum Berufsziel avanciert. Doch die vermeintlich einfache Struktur der App täuscht darüber hinweg, dass es nur wenige Plätze an der Sonne gibt. Der Influencer-Markt wird von ambitionierten, jungen Menschen geradezu geflutet. Problematisch am Konkurrenzkampf um die Likes ist, dass derartige Konkurrenz junge Menschen häufig überfordert. Sozialer Erfolg ist durch Likes und Follower ganz einfach messbar und kann enormen Druck ausüben, sich selbst und das eigene Leben zu vermarkten, um mitspielen zu können.

Hi Welt, ich zeig dir, wo ich wohne

Zwar ist es auf Instagram möglich ein privates Profil zu erstellen, jedoch verzichten viele junge (und nicht mehr so junge) Menschen in der Hoffnung auf Follower und Sichtbarkeit auf strenge Privatssphäre-Einstellungen. Doch öffentliche Profile bergen besonders für Teenager gewisse Gefahren: So besteht die Möglichkeit des Cyber Grooming und des Stalkings, die sich unter Umständen auch bis ins Offline-Leben ziehen können. Oft reichen nur wenige, über verschiedene Postings verstreute Einzelinformationen, um Wohnort, Klarnamen, Schule und häufig besuchte Orte in Erfahrung zu bringen. Es liegt an den Eltern, ihre Kinder für solcherlei Gefahren zu sensibilisieren.

It´s about sex.

Auf Instagram sind Darstellungen von Nacktheit verboten und werden rigoros entfernt, egal in welchem Kontext sie stehen. Weibliche Nippel sind auf Instagram tabu. Dennoch strotzt das Medium nur so vor Sex: unter den Hashtags #fitness, #fitspo, #fitgirls etwa finden sich hunderte Millionen Bilder junger, schlanker, durchtrainierter und durch Bildbearbeitungsprogramme und teils chirurgische Eingriffe perfektionierter Frauen in unnatürlichen, aufreizenden Posen. Instagram hat dabei ein ganz eigenes Körperschema geschaffen, das als erstrebenswert gilt: Runde Pos, extrem schmale Taillen und flache, definierte Bäuche, lange Haare, schmale, geschwungene Nasen und große Augen. Frauen stehen in der Regel auf den Zehenspitzen, um die Beine länger erscheinen zu lassen, auf YouTube gibt es eine Vielzahl von Tutorials, die erklären in welcher Pose der Körper am allerbesten ins Schema passt und welches Make Up auf Selfies am hübschesten aussieht. Das bedeutet für viele Jugendliche auch Stress. Stress, ins Schema zu passen, Stress, hübsch genug zu sein und genügend Likes zu sammeln, zudringliche Nachrichten auszuhalten und damit umzugehen zu lernen, sexualisiert zu werden. Selbst wenn genau das das Ziel vieler junger Menschen ist, die ihre Außenwirkung testen und sich beweisen wollen.

#tooyoung

Instagram bietet Identifikationsmöglichkeiten für jeden: Egal, ob man sich für Sport interessiert, für Animezeichnungen, für Cupcakes oder Heavy Metal, Vorbilder und Inspirationen gibt es hier für eigentlich jeden, der mit dem Medium Bild etwas anfangen kann. Allein aus diesem Grund kann die Plattform für Jugendliche auch wertvolle Inhalte liefern, die nichts mit Sex zu tun haben.

Es ist andererseits besorgniserregend leicht, auf Instagram unter einschlägigen Hashtags auch sehr junge Mädchen zu finden, die in teils freizügigen und sexualisierten Posen abgebildet sind. Da auf den Bildern keine weiblichen Brustwarzen oder Genitalien zu sehen sind, verstoßen sie nicht gegen die Community-Standards, selbst wenn die Abgebildeten noch Kinder sind. Schon Zehnjährige, die als “Teenmodel” “Teendancer” oder “Teenbeauty” gehashtagt sind, posieren in anzüglichen Posen, sind häufig stark geschminkt und tragen knappe Bikinis. Ihre Followerschaft besteht zu großen Teilen aus erwachsenen Männern, die die abgebildeten Kinder mit Herzchen belohnen und überschwänglich ihr Aussehen kommentieren. Versuche, die Accounts wegen Minderjährigkeit zu melden, scheitern daran, dass die Eltern die häufig professionell gestalteten Accounts verwalten.

Problematisch können erfolgreiche Profile wie diese dann werden, wenn Kids sie beim Surfen finden und die Abgebildeten zu Vorbildern nehmen. Kinder und junge Jugendliche können häufig noch nicht bewerten und kontextualisieren, womit sie konfrontiert werden. Aufgabe der Eltern ist es dann, sich gemeinsam mit den Kindern damit auseinanderzusetzen, wie derartige Profile vermarktet werden, welche Gefahren und Probleme damit verbunden sind und gemeinsam herausfinden, was ihr Kind daran anziehend findet.

Wie kann ich mein Kind auf sozialen Medien wie Instagram begleiten und es vor Gefahren schützen?

Wenn Kinder ihren Eltern gegenüber den Wunsch äußern, sich ein Instagram-Profil zu erstellen, sollten Eltern sie dabei bestenfalls unterstützen. Ab einem gewissen Alter ist die Neugier auf Instagram und ähnlichen Anwendungen ohnehin so groß, dass Kids sich im Zweifel auch heimlich Profile erstellen. Eltern sollten es also als Vertrauensbeweis sehen, wenn sie in diesen Prozess mit einbezogen werden und die Gelegenheit wahrnehmen sich auch weiterhin als Vertrauensperson zu etablieren.

 

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