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Interview mit Jiz Lee & Shine Louise Houston – Part 2: Ist Konsens sexy?

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“Pornos sind definitiv nicht für Anfänger.” – Shine Louise Houston

Teil zwei unseres Videointerviews mit Jiz Lee und Shine Louise Houston

Wir haben uns mit der queeren Porno-Regisseurin Shine Louise Houston und Darsteller Jiz Lee* über Porno unterhalten. Im zweiten Teil des Interviews ging es um Sexualaufklärung, nonverbalen Konsens und die alte Frage: Ist Konsens sexy?

“Pornos können eine gute, umfassende Sexualaufklärung nicht ersetzen.” – Shine Louise Houston

Darin, dass Pornos Sexualaufklärung nicht ersetzen können, sind Houston und Lee sich einig. Sie können jedoch, so die Regisseurin und der Darsteller*, durchaus positive Effekte auf das Sexualleben von Menschen haben, die sich mit Sex und Sexualität bereits ein bisschen auskennen. Wer schon “die eine oder andere Erfahrung gesammelt hat”, kann nach Houston in guten Pornos neben Inspirationen auch Bestätigung darüber finden, dass die eigenen Vorlieben auch von Anderen geteilt werden. “Unsere Arbeiten wurden zum Beispiel von Paartherapeut_innen gezeigt, die vor allem mit queeren und Transpersonen arbeiten”, so Lee, “um ihnen zu zeigen: Hier habt ihr ein Paar, das für euch sowas wie ein Vorbild sein kann.”

Houstons und Lees Filme schaffen ein Korrektiv zu gängigen Vorstellungen davon, wer eigentlich als sexy gelten darf und wer nicht. Während in den meisten Pornos relativ eng gefasste Ideale von Maskulinität und Weiblichkeit vermittelt werden, sind die Performer*innen in Houstons Filmen vielfältig: Für Crashpadseries.com performen authentische queere Paare verschiedenster (Geschlechts-)identitäten, Körperlichkeiten, Vorlieben oder Alters. Außerdem entscheiden sämtliche Darsteller*innen selbst darüber, was beim Dreh passiert.

Scene of Pink and White ProductionsQuelle: Pink and White Productions

“Ich zeige auch gern das ganze Drumherum.” – Shine Louise Houston

Mainstream-Pornos zeigen meist glatte Fantasien. Houston zeigt Verständnis dafür, “all das Menschliche nicht sehen zu wollen.” Sexuelle Klischees wird man jedoch in ihren eigenen Filmen vergeblich suchen. In den Filmen von CrashPadSeries und Pinklabel.tv wird kein Sex nach Standardprotokoll gezeigt, sondern echte Intimität in all ihrer Schönheit und Verschrobenheit: Zuschauer sehen auch Momente wie das Fummeln mit einem Kondom, Gespräche, Pannen, Lachen und Nachsorge. “Sex ist eigentlich ziemlich albern”, stellt Houston fest. Indem sie das “Drumherum” nicht rausschneidet, schafft sie ein Panorama der verschiedenen Spielarten und Intensitäten von Sex und Sexualität – und damit einen Gegenpol zu relativ eng gefassten Vorstellungen davon, wie attraktive Menschen und guter Sex aussehen. 

“Don’t try this at home” 

Gerade im Bereich von Sex und Pornographie ist es sinnvoll, sich über Gesehenes auch auszutauschen. Um einzelne Filme stärker zu kontextualisieren, bittet Lee regelmäßig Sexblogger_innen und Expert_innen darum, die einzelnen Folgen von CrashPadSeries zu rezensieren und weiterführende Materialien dazu zur Verfügung zu stellen. Manchmal sollte man sich, so Lee, erst bilden, bevor man Praktiken einfach ausprobiert: Besonders in Hinsicht auf ausgefallenere Techniken empfiehlt Lee, sich zu informieren, Workshops zu besuchen oder gute Bücher zu Rate zu ziehen.

Wie funktioniert eigentlich nonverbaler Konsens?

Dass eine sexuelle Handlung erwünscht ist, zu der eindeutig und enthusiastisch “ja” gesagt wurde, ist einleuchtend. Doch wie verhält es sich mit nonverbaler Zustimmung? Und wie können wir eigentlich über Sex sprechen, ohne dass es uns unangenehm ist? Nach den Möglichkeiten nonverbalen Konsens gefragt, reagiert Houston amüsiert: “Das erste, woran ich da denke, ist schlechter Sex aus meinen 20ern.”. Weil man in Filmen gelernt habe, dass guter Sex wortlos ablaufe, traue man sich kaum, Bedürfnisse zu artikulieren. Sex, so Houston, werde jedoch besser, je mehr man kommuniziere. Und das müssten viele Menschen erst lernen. “Wenn man sich schon lange kennt, kann man Dinge vielleicht nonverbal weiterführen”, ergänzt Houston. Trotzdem sei man zu jedem Zeitpunkt der Beziehung auch auf verbale Kommunikation angewiesen.

Scene from Pink and White ProductionsQuelle: Pink and White Productions

Ist Konsens eigentlich sexy?

Konsens ist bei so manchem Internetkommentator in Verruf. Nach metoo, so der Verdacht, könne jeder Sex ohne Unterschrift im Nachhinein zum Übergriff erklärt werden. Ohne ein bisschen Konsensverletzung, scheint es fast, ist Sex auf einmal langweilig und versachlicht. Wir wollen also nochmal wissen: Ist Konsens, also das einfache Prinzip, dass beim Sex erklärtermaßen das selbe wollen, sexy?

Auch hier sind Lee und Houston sich einig: Ja! “Konsens ist sexy. Und verpflichtend. Und sexy.” (Lee). Schließlich will jeder Mensch wissen, dass der anderen Person gefällt, was man gerade tut. Und auch, dass einem selbst gefällt, was die andere Person tut. Macht Sinn.

Lust auf noch mehr? Hier gehts zu Teil drei unseres Interviews!


Interview, Text and Videoproduktion: Julia Pustet
Links: Pinklabel.tv, Crashpadseries.com

 

 

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