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Instagram: Wie viel Nacktheit ist zu viel?

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Instagram: Sexuelle Selbstbestimmung vs. Leistungsdruck

Schöne bunte Insta-Welt?

Instagram ist einer der beliebtesten Social-Media-Kanäle, und das nicht zuletzt bei Teenagern und jungen Erwachsenen: 60.4% aller User sind zwischen 18 und 24 Jahre alt, 90 Prozent sind jünger als 35. Besonders beliebt sind Fitness- und Fashion-Accounts, die von schönen, jungen Menschen betrieben werden.*

„Do My Nipples Offend You?“ – Fragwürdiger Zensur-Codex

Die Zensur-Maßstäbe von Instagram sind undurchsichtig, und ziemlich unfair: weibliche Nippel werden zensiert, männliche nicht. Accounts mit Bildern von sehr jungen Mädchen, die von ihren Eltern freizügig präsentiert werden, bleiben teilweise ungesperrt – selbst, wenn sie mehrfach gemeldet wurden. Gleichzeitig werden Accounts von Frauen, die sich für Frauenrechte einsetzen, wie Künstlerinnen, Pornoaktivistinnen und Sexarbeiterinnen, oft gelöscht oder mit ständigen Sperrungen bedacht.

Weibliche Nacktheit wird nicht zuletzt daher oft als Zeichen der Emanzipation begriffen. Zu Recht?  Oder kann man darin ein – als Empowerment getarntes – Eingeständnis an das alte, nicht unbedingt fortschrittliche Schema “sex sells” sehen? Einfacher ausgedrückt: Zeigen junge Frauen ihren Körper, um damit selbstbestimmt gegen Tabus zu rebellieren – oder einfach nur, weil Darstellungen normschöner Körper sich gut verkauft?

Viele auf Instagram erfolgreiche Frauen entsprechen immer noch dem gängigen Schönheitsideal

Bodypositivity, also das Annehmen und Zelebrieren des eigenen Körpers mit all seinen sogenannten Macken, entstand als eine Art Gegenbewegung zum Schlankheits- und Schönheitsdiktat. Während die Bewegung in manchen Kreisen schon sehr präsent ist, sind viele erfolgreiche Instagramer*innen immer noch gerade wegen ihrer normativen Attraktivität so beliebt. Und sogar bei feministisch angehauchten Accounts sind der kommerzielle und der emanzipatorische Charakter manchmal schwer zu trennen.

Wem möchte ich mich zeigen?  – Öffentlicher oder Privater Account

Besonders sehr junge Frauen sollten sich mit folgenden Fragen auseinandersetzen: Wieso will ich mich auf Instagram zeigen? Was bringt mir das? Möchte ich digitale Anerkennung, und von wem möchte ich die? Welche Bilder will ich auf meinem Account zeigen, welche nicht? Besonders wichtig: Einmal hochgeladenen Daten sind für immer im Netz und können theoretisch von jedem vervielfältigt und gescreenshotet werden.

Slutshaming, also Angst davor, als „Nutte“ zu gelten, weil man in einem kurzen Kleid an einem Strand steht, sollte aber niemals ein Grund sein, sich nicht so zu zeigen, wie man sich wohlfühlt.

Ob man mit seiner Selbstdarstellung nur eine Norm befeuert, oder zu neuem Selbstbewusstsein findet, ist eine ziemlich individuelle Frage, auf die es viele Antworten gibt. Wir finden: Solange ihr zu euch steht und aus freien Stücken handelt, ist selbstbewusste Selbstdarstellung total vertretbar. Bedenkt aber: Ihr werdet im Leben noch viele Entscheidungen treffen. Vielleicht ist es irgendwann einfach nicht mehr euer Ding, freizügig im Internet abgebildet zu sein. Wollt ihr dann noch, dass die Fotos online sind?

Fragt euch: Würde ich dieses Foto ohne Bedenken jedem zeigen, den ich kenne, und auch jedem Unbekannten, potentiellen Arbeitgeber, Nachbarn, Verwandten, zukünftigem Ich? Wenn die Antwort positiv ausfällt, ist alles gut. Wenn die Antwort “Nein” ist, habt ihr auch noch die Möglichkeit, euren Account auf „privat“ zu stellen. So könnt ihr selbst entscheiden, wer eure Bilder sehen darf und wer nicht. Besonders bei Teenagern kann diese Variante ein guter „Testlauf“ sein. So können auch Eltern sich die Fotos ihrer Kids erst einmal anschauen, bevor sie sie auf öffentlich schalten und so der ganzen Welt zugänglich machen. Mehr Infos für Eltern findet gibt´s hier.

Wie echt sind die anderen?

Habt ihr schonmal was von Facetune gehört? Facetune ist eine App, die eure Haut schöner, eure Nase kleiner, eure Taille schmaler macht. Vielen Benutzer*innen ist gar nicht klar, wie oft sie angewendet wird, um das für Instagram generierte, bessere Ich aufzuhübschen. Erinnert euch also ab und an daran, dass nicht jedes hypersymmetrische Gesicht mit riesigen Augen und reiner Haut total real ist. Behaltet das im Hinterkopf, wenn ihr euch schmachtend Taylor Swifts elfenhafte Figur anschaut. Und zieht vielleicht mal in Erwägung, wie befreiend es sein kann, auf solche Maßnahmen zu verzichten.

Selbstdarstellung: Empowerment oder Ausbeutung?

Nehmen wir mal Kim Kardashian als Beispiel. Auf den ersten Blick eine Powerfrau, die sich selbst zur Marke macht und selbstbewusst (und oft nackt) ihre Kurven zeigt. Ein Vorbild also! Fraglich, denn wenn man es genauer betrachtet, erkennt man, dass der Körper von Kim Kardashian nicht einfach nur kurvig ist, sondern durch plastische Chirurgie modelliert. Damit ist dieses Ideal für ein junges Mädchen genauso schwer zu erreichen wie der Körper eines Pariser Laufstegmodels. Das sagt auch Pamela Rutledge,  Director of the Media Psychology Research Center der Fielding Graduate University in Psychology Today: „Kim Kardashian ’s nude photos are empowering for her, but exploitive of her audience.“* Übersetzt: Kim Kardashians Nacktfotos sind empowernd für sie, aber ausbeuterisch und konsumverherrlichend gegenüber ihrem Publikum.

Wir wollen nicht mit erhobenem Zeigefinger Promi-Accounts auseinandernehmen, sondern zur Reflexion anregen. Durch ihre Posts gibt Kardashian nämlich nicht kurvigen Frauen eine Stimme, sondern feiert sich vor allem selbst. Deshalb: Was für euch selbst befreiend sein kann, kann für andere einschüchternd sein. Wir haben Verantwortung in sozialen Medien. Reflexion darüber, wie wir uns darstellen, ist oft ziemlich kompliziert, aber eben essentiell. Wir raten euch: Hinterfragt öfter mal Accounts, die oberflächlich eine gute Message verbreiten, selbige dann aber beim genaueren Hinsehen nicht einlösen.

Was passiert mit meinen Daten?

Ja, auch wir müssen nochmal auf das leidige Datenschutz-Thema hinweisen. Ohne euch jetzt hier 12 Seiten Kleingedrucktes reinkopieren zu wollen, finden wir es wichtig, dass ihr folgendes wisst: Theoretisch gehören eure Bilder nicht mehr euch, sobald ihr sie auf Instagram oder Facebook postet. Sie gehören dann Instagram oder Facebook. Wenn ihr euch in einigen Jahren auf einer Litfaßsäule am anderen Ende der Welt entdeckt, dürft ihr euch eigentlich nicht beschweren. Wenn ihr wirklich genau wissen wollt, was mit euren Bildern passiert, kommt ihr nicht umhin, die aktuellen Datenschutzverordnungen der entsprechenden Plattformen zu lesen. Tut uns leid.

Ständige Konkurrenz

Mehr Follower, mehr Likes, mehr Serotonin. Längst steht fest, dass die kleinen Herzchen das Belohnungszentrum in unserem Gehirn ansprechen. Aber Instagram kann junge Frauen auch einem ständigen Kampf gegen den eigenen Körper aussetzen. Konkurrenz, auch wenn es nur gefühlte Konkurrenz ist, kann ganz schön erschöpfend sein.

Doch wie können wir selbst damit umgehen? Wir raten euch, nicht einfach blind den Standard-Accounts zu folgen, sondern euch bewusst verschiedene Accounts anzusehen. Body Positivity hat viele Seiten: Es gibt auch auf Instagram tolle Künstlerinnen, Aktivistinnen und Sportlerinnen, die mit den gängigen Klischees brechen. Vielfalt statt Stereotype!

Anregungen und Ideen? Schreibt uns!

 

 


*https://www.brandwatch.com/blog/instagram-stats
*https://www.psychologytoday.com/us/blog/positively-media/201603/kims-nude-photos-role-model-empowerment-or-sexting

 

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