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Holzfinger

Relationshipgoals-Kolumne #2

Finger im Po, Mexiko

Wieso manche Männer Analcharaktäre sind und was ein Zwiegespräch in der Paartherapie ist

Eine Freundin von mir arbeitet als Sexworkerin, genauer als Escort. Sie erzählte mir eines Tages, dass in Fachkreisen folgender Trick verschwörerisch Nachwuchstalenten in die Ohren geraunt werde: „Wenn er ewig nicht kommt, dann versuch es einfach mal mit einer Prostatamassage. Zack, Finger in den Po und er geht ab wie ein Zäpfchen und umso schneller hast du Feierabend.“ Interessant.

Auch mir war dieser Fingerzeig bereits zu Ohren gekommen, doch ich selbst kenne nicht viele Hetero- Männer, die auf Prostatamassagen stehen. Oder zumindest würden sie es nicht zugeben. Aber warum ist das so? „Sonst halten sie sich doch auch immer ein Hintertürchen offen.“ sagte ich, kurz gehässig werdend.

Sollte man sie zu ihrem Glück zwingen? Vielleicht haben sie es nur noch nie probiert? Warum halten Männer diesen Teil ihres Körpers so bedeckt, würden aber selbst gerne öfter Analsex mit ihrer Freundin haben?

Wie soll man miteinander reden: Beziehungslosigkeit in Beziehungen

Ich googelte und kam vom Hölzchen auf Stöckchen, unter anderem überlegte ich lange herum, wie man solch pikante sexuelle Techniken überhaupt besprechen sollte, wenn es um den eigenen Partner geht. Nicht dass ich unbedingt Lust darauf hätte, ich behalte meine Finger auch sehr gern bei mir. Jedoch kam ich nicht umhin mich zu fragen, ob man sich in manchen Partnerschaften nicht komplett vom Besprechen verabschiedet hat.

Dieses Phänomen wird in der Paar(-Psychologie) Beziehungslosigkeit in Beziehungen genannt. 1994 fand das Bundesministerium für Familie heraus, dass deutsche Paare nur ca. 2 Minuten am Tag miteinander über persönliche Dinge reden. Also über etwas anderes als Nebensächlichkeiten oder wer dran ist, den Müll runter zu bringen. Daraufhin wurde die Methode des Zwiegesprächs entwickelt. Es handelt sich um eine Technik, bei der jeder Partner 3x 15 Minuten über sich redet, ohne vom anderen unterbrochen zu werden.

Erschrocken denke ich beim Lesen an meine eigene Beziehung und ja, wir reden tatsächlich auch kaum noch über Wesentliches miteinander, wenn ich ehrlich bin. Ist das der Anfang einer Entfremdung? Wenn man sich gerade kennenlernt ist das anders: man will alles voneinander wissen und misst Träumen, Zitaten, Erinnerungen des Anderen eine große Bedeutung zu. Man schickt sich Gedichte oder beschreibt sich gegenseitig seinen Tag.

Beim Zwiegespräch gelten folgende Regeln:

  • Vereinbart einen Termin. Da fängt es schon an. Mein Freund würde wohl sofort sagen „Sowas ist doch erzwungener Mist. Das mache ich nicht.“ (Ich nehme mir direkt vor, es mit ihm zu besprechen und eventuell auszuprobieren)
  • Der Termin sollte regelmäßig 60-90 Minuten pro Woche an einem ruhigen Ort stattfinden.
  • Beide Partner sollen von sich selbst reden und zwar ausschließlich von sich – Vorwürfe, Fragen oder Ansprüche an den anderen haben hier keinen Platz. Es geht eher um eine Art Selbstportraitierung.
  • Die ersten 10-15 Minuten spricht der eine, dann der andere. Immer im Wechsel bis jeder 3x gesprochen hat. Das ergibt dann 60-90 Minuten Gesamtzeit, je nachdem ob man 10 oder 15 Minuten Redeblöcke vereinbart hatte. Die Zeiten sollten nicht überzogen oder verringert werden, sondern genau eingehalten.
  • Das was der andere gesagt hat, wird zunächst weder bewertet noch kommentiert. Generell wird erstmal nicht auf das eingegangen, was im Zwiegespräch erzählt wurde.
  • Aufmerksam und geduldig zuhören lautet die Devise. Keine Ratschläge geben. Wenn man nichts zu sagen hat, kann man schweigen. Jeder kann das Thema, über das er reden will, frei wählen.
  • Am besten ist es, konkret zu bleiben und bildhaft zu erzählen, so dass der Andere eine Vorstellung bekommt.

Auf diese Weise erfahren Paare, wie der jeweils andere gerade das Leben sieht, was er erlebt, was er denkt und fühlt. In vielen Beziehungen soll diese Methode eine euphorisierende Wirkung haben, zumindest am Anfang. Unausgesprochenes wird verbalisiert, es öffnen sich neue Perspektiven, manche verlieben sich gar ganz neu ineinander. Trotzdem sind 60 oder 90 Minuten natürlich ziemlich lange, ob man das so lange schafft regelmäßig durchzuziehen?

Ich werde in einer der nächsten Kolumnen noch näher darauf eingehen. Doch zurück zu den wichtigen Themen wie Körperteilen im Anus.

„Sonst halten sie sich doch auch immer ein Hintertürchen offen…“

Ich fragte meine Freundin, was sie denke, wieso Hetero-Männer der Finger-im-Po-Technik eher ablehnend gegenüberstehen. „Die sollen mal den Stock aus dem Arsch ziehen.“, sagte sie achselzuckend. „Die meisten stehen trotzdem drauf.“ Diese Zone kann also eine sehr erogene beim Mann sein. Vielleicht ist es Schamgefühl, was sie davon abhält? Oder sie sind bei einer Escort-Dame lockerer, als bei ihrer eigenen Partnerin, überlegte ich. Doch eine Prostata-Massage (Link zum Video) will natürlich gelernt sein. Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl scheint angebracht. Und natürlich viel Öl oder Gleitgel verwenden.

Außerdem war mir natürlich klar, dass Freud zu der ganzen Analsache auch eine Meinung haben müsste, hatte er nicht den Begriff der „analen Phase” geprägt? Während meiner leicht angeschwipsten Suche in den Weiten des Internets (ich hatte zum Business Lunch einen Crémant) stieß ich auf folgenden Hinweis:

Freud ist der Ansicht, dass das Kind ab dem 2. Lebensjahr den Darmausgang (Anus) als wichtigste erogene Zone erlebt. Kinder können in diesem Alter seit einiger Zeit sitzen bzw. die Eltern setzen es von Zeit zu Zeit aufs Töpfchen. Das Kind ist zunehmend in der Lage, die Darmentleerung willentlich zu steuern, d.h., den Kot entweder zurückzuhalten oder loszulassen. Offensichtlich ermöglicht ihm das eine neue Weise des Lustgewinns. Analog zur oralen Modalität erkennt Freud in diesem körperlichen Vorgang gewissermaßen das Grundmodell einer allgemeinen Lebensgebärde: der Modalität des Besitzens und Hergebens. (Stangl, 2019).

Später kann sich daraus sogar ein so genannter „Analcharakter“ entwickeln. Dieser Begriff ist ebenfalls Sigmund Freuds umstrittenen Hirnwindungen entsprungen und bezeichnet eine zwanghafte Persönlichkeitsstruktur, die sich durch übertriebene Sauberkeit, Reinlichkeit oder Zwangshandlungen auszeichnet.

Aha!!! Kontrolle. War ja klar. Viele Männer wollen also die Kontrolle über diese Zonen behalten, dachte ich. Das ergibt Sinn.

Ob es also jedem Mann gefällt, wenn ihr ihm auf diese Weise einen Gefallen tun oder seinen Orgasmus intensivieren wollt, kann hier nicht abschließend geklärt werden. Probiert es einfach aus oder redet darüber. Wenn nötig auch in einem Zwiegespräch.

 


Lotta lebt seit 4 Jahren in Berlin. Fast genauso lange befindet sie sich bereits in einer festen monogamen Beziehung. Auch darüber hat sie viel zu sagen und zu klagen. Vorher war sie begeisterter Single, hatte Langzeit- Affären, One-Night-Stands und Freundschaft Plussen…darunter auch ziemlich viele Freaks, wie sie heute zugibt. Seit Lotta 30 geworden ist, fangen ihre Sätze oft an mit: “Weißt du noch…” oder “Hätte ich mal…” Sie ist fasziniert von den verschlungenen Wegen der Liebe und hinterfragt gerne gesellschaftliche Perspektiven. Durch ihren Freundeskreis kommt sie immer wieder in Berührung mit alternativen Beziehungsmodellen und mehr oder weniger innovativen Sexpraktiken, über die sie philosophieren kann. 

 

 

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