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Die 3-6-9-12-Regel

Netflix ist kein Babysitter.

Vor 20 Jahren schien Medienkonsum vor allem zur Passivität zu verdammen: Radio zu hören, Zeitschriften zu lesen und vor dem Fernseher zu sitzen, bot wenige Möglichkeiten zur Interaktion. Dahingegen sind Konsum und Aktion heute eng aneinander gekoppelt: Kinder wachsen mit Medien auf, die sie gleichzeitig unterhalten und fordern. Kinder und Jugendliche benutzen Smartphones, Rechner und Tablets für fast alles: Hausaufgaben, Videospiele, Referatsvorbereitungen, Netflix, Kommunikation mit Freund*innen, Informationsbeschaffung, Hobbies, Bildung. Internetfähige Geräte sind also weder wegzudenken, noch einfach positiv oder negativ zu bewerten. Sie sind ganz einfach zentrale Schnittstellen der Realität, mit der unsere Kinder aufwachsen. Sie sind personalisiert, interaktiv und vielschichtig. Serge Tisseron, französischer Psychoanalytiker, Kinderpsychologe und Professor, hat festgehalten, dass wir vom Zeitalter des Buchs ins Zeitalter des Bildschirms übergegangen sind. Dies ist eine grundlegende Veränderung, die nicht rückgängig zumachen ist.

Doch was bedeutet das für Eltern? Die Generation der heute 30-jährigen wuchs schließlich noch in einer Welt auf, in der sich On- und Offlineleben noch einfach unterscheiden ließen.

Die besondere Herausforderung für junge Eltern besteht darin, Kinder gleichzeitig zu beschützen und zur Selbstständigkeit zu erziehen. Denn werden Kinder durch Verbote und Sanktionen zu stark vor den Gefahren des Internets beschützt, verhindert das kaum den Eintritt in ein Alter, in denen Eltern keinen Einfluss mehr haben. Werden Kinder hingegen völlig unvorbereitet und in zu jungem Alter mit internetfähigen Medien alleingelassen, bestehen vielfältige Gefahren: Die eine ist, dass die Opfer von vielfältigen Phänomenen von Abofallen, unseriösen Angeboten bis hin zu Cyber-Grooming oder Mobbing werden. Eine andere besteht darin, dass sie Gewohnheiten entwickeln, die ihnen langfristig schaden.

Die Entwicklung sinnvoller Gewohnheiten in Hinblick auf Medienkonsum ist ein zentrales Anliegen der sogenannten “3-6-9-12-Regel”, einer von Serge Tisseron entwickelten Leitlinie. Zentrales Anliegen der Regel ist nicht nur, Kinder zu einem verantwortungsbewussten Mediennutzungsverhalten zu erziehen und sie für gewisse Gefahren zu sensibilisieren. Es geht darin auch darum, Kinder erfahren zu lassen, dass es vielfältige nicht-digitale Zugänge zur Außenwelt gibt. Kinder sollen dadurch Gewohnheiten entwickeln, auf diverse Arten mit ihrer Umwelt in Kontakt zu treten und dabei all ihre Sinne zu benutzen.

Die 3-6-9-12-Regel lautet wie folgt:

Kein Bildschirm vor 3:

Im Alter von bis zu drei Jahren sollen Kinder vor allem lernen, ihre Umwelt mit allen Sinnen zu begreifen. In den ersten drei Jahren sollten Kinder daher keinen Zugang zu Smartphones, Tablets und Computern haben. Zahlreiche Studien zeigen, dass das Spielen mit Spielsachen einen weitaus positiveren Einfluss auf die Entwicklung von Kindern hat als die ständige Konfrontation mit Bildschirmen. Das bedeutet auch: Netflix ist kein Babysitter.

Keine Videospiele vor 6:

Sicher, viele Kinder haben schon in jüngeren Jahren Zugang zu Spielkonsolen. Und das kann bei anderen Kindern Neugier und Neid auslösen. Tisseron empfiehlt dennoch, Kinder erst ab 6 Jahren Videospiele spielen zu lassen. Wenn Kinder in jüngeren Jahren lernen, sich auch mit ihren Spielsachen, Freunden und der Natur zu beschäftigen, entwickeln sie mit geringerer Wahrscheinlichkeit Gewohnheiten, die ihnen später schaden. Wenn Kinder hingegen zu früh zu viel Zeit mit Videospielen verbringen, ziehen diese ihre komplette Aufmerksamkeit auf sich – mit entsprechenden Folgen für andere Lernprozesse.

Kein Internet vor 9 (auch nicht beaufsichtigt):

Kinder, die jünger als 9 Jahre alt sind, sollten nicht im Internet surfen. Auch nicht im Beisein ihrer Eltern. Wenn Kinder anfangen, Webseiten zu besuchen, ist es wichtig, von Lehrern oder Eltern begleitet zu werden. Ebenso essenziell ist es, dass Kinder die wichtigsten Grundregeln des Internets erlernen. Dazu gehört erstens, dass alles, was hochgeladen wird, irgendwie in die Öffentlichkeit gelangen kann. Selbst in privaten Chats ist es möglich, Screenshots zu machen. Die zweite Regel lautet, dass alles, was hochgeladen wird, für immer im Internet ist und theoretisch noch nach Jahren wieder auftauchen kann. Die dritte Regel: Kinder müssen lernen, nicht allem zu vertrauen, was im Internet geschrieben wird. Informationen müssen immer von mehreren Quellen abgesichert werden und Wikipedia ist verlässlicher als Foreneinträge. Besonders sollten Kinder für Werbung und unseriöse Angebote sensibilisiert werden.

Unbeaufsichtigtes Internet erst ab 12 Jahren:

Ab 12 Jahren sollte Kinder so viel Autonomie zugestanden werden, auch alleine im Internet zu surfen. Auch jetzt sind jedoch noch gewisse Regeln angesagt: So sollten Internetnutzungszeiten sowie gewisse zeitliche Obergrenzen vereinbart werden. Eine weitere sinnvolle Regel ist, dass Smartphones nicht beim Familienessen, im Auto oder bei gemeinsamen Unternehmungen genutzt werden dürfen. Experten weisen hier auf die Vorbildfunktion der Eltern hin: Bildschirmfreie Zeiten sollten nicht nur für die Kinder, sondern für die ganze Familie gelten.

Die 3-6-9-12-Regel ist mehr als Richtlinie denn als Regelwerk zu verstehen. Natürlich sind Kinder, Eltern und Familienstrukturen sehr unterschiedlich. Schwierig wird es ja bereits, wenn Kinder ältere Geschwister haben. Die Regel eignet sich jedoch gut, um grundsätzlich für das Erlernen von gewissen Gewohnheiten zu sensibilisieren.

 

Julia

 

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