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Cyber-Grooming: Stalking 2.0

Den größten Teil der Zeit, die Jugendliche online verbringen, macht Kommunikation auf Plattformen wie Instagram, Snapchat und Facebook aus. Heranwachsende können hier ihre Außenwahrnehmung testen, mit anderen Kommunizieren, sich Vorbilder suchen. Da nicht nur Freunde, sondern auch Fremde miteinander Kontakt aufnehmen können, laufen Kinder und Jugendliche im Internet jedoch mitunter Gefahr, Opfer von zudringlichen Usern zu werden: Von Cyber-Grooming spricht man, wenn Erwachsene versuchen, sich an Kinder ranzumachen, sie zum Senden von freizügigen oder pornographischen Bildern und Videos zu überzeugen oder sie im echten Leben zu treffen. Da die Plattformen selbst wenige Vorkehrungen treffen, um junge und jugendliche Menschen vor solcherart Annäherungsversuchen und übergriffigem Verhalten zu schützen, ist es besonders die Aufgabe der Schule und der Eltern, Prävention und Hilfe zu leisten.

Wie kann ich mein Kind vor Cyber-Grooming schützen?

Für Eltern gilt: Auch wenn Kids über ihre Lieblings-Apps mehr wissen als ihre Eltern, heißt das nicht, dass sie auch die Gefahren des Internets gut einschätzen können. Es ist deshalb sehr wichtig, dass Eltern schon früh mit ihren Kindern über Apps und Soziale Medien sprechen.

Zeigen Sie ihrem Kind, dass Sie ein Ansprechpartner sind!

Je mehr Eltern sich von ihren Kindern über ihre Erfahrungen im Internet erzählen lassen, je interessierter sie sind und je weniger verurteilend sie auftreten, desto höher ist auch die Chance, dass Kinder ihre Eltern als Ansprechpersonen wahrnehmen. Davon, wie offen Kinder sich ihren Eltern in Bezug auf Internetthemen mitteilen können, hängt im Zweifel auch ab, ob sie mit ihnen über unangenehme Begegnungen und Kontaktversuche im Internet sprechen. Versuchen Sie also, eine offene und akzeptierende Grundhaltung zu vermitteln, sodass sich ihr Kind auch im Ernstfall nicht schämt mit Fragen oder Problemen zu Ihnen zu kommen. Gerade, wenn ihre Kinder unter 12 Jahre alt sind, sollten Sie sie jedoch grundsätzlich nicht alleine in sozialen Medien surfen lassen. Auch sollten Sie ihre Kinder regelmäßig fragen, welche Apps sie nutzen und sich gemeinsam damit auseinandersetzen. Weitere Informationen zum Thema “Kinder und soziale Medien” finden Sie hier (entspr. Artikel verlinken).

Tipp: Verschiedene Websites bieten einfache Listen über die Merkmale von Cyber Grooming, die sie ihrem Kind zur Verfügung stellen können.

Woran kann man Cyber Grooming erkennen?

Es ist wichtig, dass Eltern ihre Kinder frühzeitig für die Gefahren des Cyber Groomings sensibilisieren, denn nicht alle Täter treten auch als Erwachsene auf. Die meisten Täter geben vor selbst Teenager oder Kinder zu sein, um junge Menschen zu manipulieren. Es gibt jedoch einige Warnzeichen, auf die Eltern ihre Kinder aufmerksam machen sollten.

Zu den Warnsignalen gehört etwa das häufige Senden von Nachrichten oder Freundschaftsanfragen, ein überschwängliches Interesse an dem Kind und viele persönliche Fragen. Diese Fragen dienen oft zunächst dazu eine vertraute Basis herzustellen, indem beispielsweise auf gemeinsame Hobbys hingewiesen wird. Besonders auf Instagram oder auf Tik Tok (früher Musical.ly) haben junge Menschen oft öffentliche Profile, da sie sich davon öffentliche Bestätigung und Social-Media-Erfolge erhoffen. Es ist auffällig, wenn andere User wiederholt überschwängliches Lob in den Kommentaren posten und die Kids darum bitten, ihnen Direct Messages (DMs) zu schicken oder auf ihre DM zu reagieren. Viele Täter wissen sehr genau, wie anfällig gerade Kinder und Jugendliche für Versprechungen des schnellen Ruhms sind und nutzen dies in manchen Fällen sehr gezielt aus, indem sie ihnen versprechen sie auf ihren Seiten zu featuren (Tik Tok/Musical.ly), ihre Fotos auf ihren Seiten zu reposten (Instagram) oder sie anderweitig groß rauszubringen. Gefährlich wird es, wenn die Täter durch gezielte Manipulation schaffen, das Interesse und Vertrauen der Kids zu gewinnen.

Die Täter bauen erst eine Vertrauensbasis auf und werden dann schnell zudringlich

Häufig versuchen die Täter auch, Kids von Plattformen wegzulotsen, fragen also etwa nach Whatsapp-Kontakten und Handynummern. Ein absolutes Warnsignal ist, wenn das Gegenüber in einem „netten“ Chat-Gespräch immer wieder auf Themen wie Bikinis, Unterwäsche, sexy Kleidung etc. zu sprechen kommt und nach Fotos oder Webcamaufnahmen fragt. Mit ein paar Emojis getarnt fällt der aggressive und drängende Charakter dieser Aufforderungen den Kids häufig zunächst nicht auf. Die Täter nutzen die bei Teenagern und Kids besonders stark ausgeprägte Empfänglichkeit für Zuspruch häufig aus und verpacken ihre Forderungen in Komplimente. Wichtig: Die Täter schärfen dem Kind häufig ein besser mit niemandem über die gemeinsamen Chats zu sprechen. Sensibilisieren Sie ihr Kind also auf jeden Fall frühzeitig für Fälle, in denen sie um Stillschweigen gebeten werden und machen Sie sie darauf aufmerksam, dass Gleichaltrige und gutgesinnte Chatpartner kein Interesse an Geheimhaltung hätten.

Sicheren Umgang mit den eigenen Daten muss man lernen!

Es ist wichtig, dass Heranwachsende wissen, dass sie die Kontrolle und freie Verfügung über ihre Bilder und Videos verlieren, sobald sie sie online verschickt haben. Auch darf nicht vergessen werden: Auch Webcambilder können gescreenshottet werden. Nicht selten erpressen die Täter mit bereits empfangenen Bikini- oder Unterwäschefotos noch explizitere Bilder. So drohen sie beispielsweise mit Veröffentlichung auf Facebook oder im Schulkontext. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, dass Jugendliche und Kinder lernen, vorsichtig mit ihren Informationen und Bildern umzugehen. Schließlich können sie niemals wirklich wissen wer sich hinter einem Profil verbirgt! Besonders dann, wenn ein Gegenüber zufällig genau die selben Interessen hat wie man selbst, ist besondere Vorsicht angebracht.

Eine weitere Grundregel: Keine Treffen! Häufig versuchen die Täter irgendwann die Kinder und Jugendlichen zu persönlichen Treffen zu überreden. Aus diesem Grunde sollten die Kinder schon beim Anlegen der ersten Social-Media-Profile wissen, dass Treffen mit Internetbekanntschaften immer mit den Eltern abgesprochen werden müssen und in keinem Fall alleine erfolgen dürfen.

Wie kann ich meine Kinder dabei unterstützen sich gegen Cyber-Grooming zu wehren?

Wenn Kinder und Heranwachsende von Cyber Grooming betroffen sind, ist Scham nicht selten die erste Reaktion. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass die Betroffenen zu Beginn Vertrauen zu ihrem anonymen Gegenüber hatten und ihre Arglosigkeit ausgenutzt wurde. Wenn sie sich also mit dem Problem an ihre Eltern wenden, ist ein unterstützender und sensibler Umgang als erste Reaktion der Eltern besonders wichtig. Verurteilen Sie ihr Kind nicht, selbst dann, wenn es bereits verfängliche Bilder oder Daten verschickt hat – im Vordergrund sollte jetzt stehen, sich gemeinsam mit dem Problem und dem Täter zu befassen. Folgende Schritte sind dann angebracht:

Screenshots!
Macht Screenshots von den Chatverläufen, um das Verhalten des Täters auch beweisen zu können.

Melden!
Auf den großen Plattformen ist es möglich, die Täter zu melden. So werden die ModeratorInnenteams der Netzwerke auf das Verhalten aufmerksam und können Schritte gegen die Täter einleiten. So werden auch andere potentielle Opfer vor den Tätern geschützt!

Blockieren!
Im Anschluss sollte der Täter blockiert werden. Wie das geht, sollten Kids frühzeitig lernen. Ermutigen Sie ihre Kinder dazu, lieber einmal zu oft als einmal zu wenig unangenehme Chatpartner oder zudringliche Profile zu blockieren. Wichtig: Eine direkte Auseinandersetzung mit dem Täter sollte vermieden werden, überlassen sie die weiteren Schritte den Betreibern der Plattform und der Polizei!

Zur Polizei gehen!
Cyber Grooming ist eine Straftat. Es ist also sinnvoll und angebracht, Anzeige gegen den Täter zu erstatten.

 

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