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“SO ein süßer Papa.”

Väter haben immer Recht, Mütter nerven bloß. Das ist ungerecht.

Kürzlich stand vor mir an der Kasse ein junger Vater mit zwei brüllenden kleinen Jungs. Während er seine Einkäufe in Taschen und Rucksäcken verstaute und die Pin eingab, forderte das eine Kind mit Nachdruck ein Snickers ein, und das Andere musste sehr lautstark aufs Klo. Die Kassiererin schenkte ihm, sichtlich gerührt, ein mildes Lächeln, und als ich mich interessehalber umsah, stellte ich fest: Niemand rollte genervt mit den Augen, kein autoritärer Opa wies den Mann an, seine Kinder unter Kontrolle zu bekommen. Stattdessen überall nichts als milde Rührung. Klar, ein Papa, der mit den Kids in den Supermarkt geht, ist ja auch ein Volksheld.

Ich könnte regelmäßig das Kotzen kriegen, wenn ein Vater ganz normale Elternsachen tut, wie Einkaufen, die Straße entlang laufen oder sein Kind nach einem Sturz aufs Knie trösten, und irgendjemand sagt: “Oh, er ist ja SO ein süßer Papa!” Mir geht ja sogar selbst das Herz auf, wenn ein Mann sein Kind auf den Schultern trägt und mit beeindruckender Ausdauer Warum-Fragen beantwortet. Ich möchte nur auch einmal sehen, dass eine Mutter entsprechendes tut und sich ernsthaft jemand darüber entzückt, dass sie die Verantwortung übernimmt, die ihr eben zufällt.

Handlungen von Müttern werden oft sogar völlig gegensätzlich bewertet:

Wenn eine junge Mutter ihr Kind auf dem Gepäckträger mitfahren lässt, wird sie sich ungefragt Sicherheitsratschläge von Fremden anhören müssen. Wenn die Kinder an der Kasse nicht aufhören zu schreien, kriegt sie die Gören halt nicht in den Griff. Und wenn sie den Kleinen mit dem aufgeschlagenen Knie liebevoll tröstet, wird ihr unterstellt, ihr Kind unnötig zu betüdeln.

Papa sein scheint, zumindest was die öffentliche Wahrnehmung angeht, viel einfacher zu sein als Mama sein.

Väter sind lustig, spontan, jung geblieben und liebevoll. Bei Müttern werden die gleichen Handlungen aber als nervig, unverantwortlich oder verhätschelnd abgetan. Und während selbsternannte Gentrifizierungs-”kritiker” kaum ohne Witze über Prenzlauer-Berg-, Spielplatz- und Latte-Macchiato-Muttis auszukommen scheinen, haben wir von “Prenzlberg-Vatis” noch deprimierend wenig gehört. Aus Labelbesitzerinnen, Graphikdesignerinnen und Journalistinnen werden nach der Fortpflanzung also “Muttis”, wohingegen Labelbesitzer, Graphikdesigner und Journalisten einfach bleiben dürfen, wer sie sind: Coole Typen, die auch noch SO süße Väter sind.

“Die ungleiche Bewertung elterlichen Handelns zeigt uns nämlich am Ende vor allem eins: Dass viele immer noch davon ausgehen, dass Sorgearbeit, also auch Kindererziehung, natürlicherweise in den Verantwortungsbereich von Frauen gehört.”

Wenn also das nächste Mal ein Papa ganz normale Elternsachen tut und euch euer Herz aufgeht, denkt nach: Sollte Mutti für dieselbe Handlung nicht genauso gefeiert, oder Vati ebenso wie unsichtbar behandelt werden? Die ungleiche Bewertung elterlichen Handelns zeigt uns nämlich am Ende vor allem eins: Dass viele immer noch davon ausgehen, dass Sorgearbeit, also auch Kindererziehung, natürlicherweise in den Verantwortungsbereich von Frauen gehört. Und deshalb ein Mann besonderes Lob verdient hat, wenn er sich trotzdem um die gemeinsamen Kinder kümmert. Das ist Bullshit. Erziehung, emotionale Zuwendung und Hausarbeit liegen in der Verantwortung aller, die gemeinsam beschlossen haben, sich fortzupflanzen. Basta.

 

Julia

 

 

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