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Beziehungsformen, Teil 3: Polyamorie

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Zeiten ändern sich. Die Liebe auch.

Haach, wie romantisch: Eure Oma und euer Opa waren 50 Jahre verheiratet und sind dann kurz hintereinander gestorben, weil sie nicht ohne den anderen leben konnten. Sie haben sich neckende Spitznamen gegeben und zusammen ein Haus gebaut, das sie und alle nachfolgenden Generationen beherbergen sollte. Wünscht ihr euch bei dieser Art Geschichten aus unserer Großelterngeneration, dass euch so etwas selbst eines Tages passiert? Oder denkt ihr eher: “Hilfe, ich lebe doch nicht mein ganzes Leben in dem selben Moloch mit der selben Person, das ist meine Definition von Horror!”? Monogamie ist in der Tat gar nicht so einfach, hält statistisch gesehen nicht immer so lange und wirkt manchmal ziemlich überholt. Aber was dann? Wir haben uns Monogamie, offene Beziehungsformen und Polyamorie mal genauer angeschaut, weil wir wissen wollten: Welche Wege gibt es, Beziehung zu leben?

Beziehungsklassiker Monogamie

Monogamie kommt vom griechischen Wort „Monogamia“ und bedeutet: Einehe. Das meint eine exklusive Verbindung zwischen zwei Menschen. Diese stand im letzten Jahrhundert in engem Zusammenhang mit dem traditionellen Modell der Versorgerehe, bei dem der Mann als einziger Erwerbstätiger für seine Frau und Familie sorgt. Soziologisch beginnt dieses Bild jedoch schon länger zu bröckeln. Die Kernfamilie (Mann als Versorger, Frau als Hausfrau, Kind als Liebesbeweis und Altersvorsorge) verliert an Bedeutung, es setzen sich mehr und mehr auch andere Beziehungsmodelle durch. Der Mann ist in vielen Familienverbünden nicht mehr der klassische Alleinversorger. Frauen sind erwerbstätig, viele Haushalte sind auf mehr als ein Einkommen angewiesen, es gibt Alleinerziehende, homosexuelle Paare mit Kind und polyamoröse Familienstrukturen.

Da heute weniger ökonomische Abhängigkeiten bestehen, heiratet man hauptsächlich aus Liebe. Statistiken zufolge wird jedoch jede zweite Ehe geschieden und jeder vierte Ehemann und jede fünfte Ehefrau ist dem Partner untreu. Übrigens: Ehen mit klassischen Rollenverteilungen halten statistisch gesehen länger als gleichberechtigte Ehen. Was jedoch auch daran liegen kann, dass Scheidung in konservativen Kreisen teilweise noch immer tabuisiert ist.

Serielle Monogamie, sexuelle Monogamie, soziale Monogamie

Wissenschaftler unterscheiden zwischen sozialer und sexueller Monogamie, während im generellen Sprachgebrauch beide Formen als Einheit verstanden werden. Wer eine monogame Beziehung eingeht, schwört einander vor allem sexuelle Treue, lebt also die sogenannte sexuelle Monogamie.
Soziale Monogamie ist hingegen die Einheit einer Beziehung, in der man sich evolutionsbiologisch gemeinsam um „sein Junges“ kümmert. Seitensprünge stören das Zusammenleben dabei normalerweise nicht. Nach unseren Vorstellungen fällt diese Art der Beziehung aber nicht mehr unter den Monogamie-Begriff. Wenn in einer Beziehung sexuelle Erlebnisse mit anderen erlaubt sind, spricht man eher von offenen Beziehungen.
Von serieller Monogamie wird übrigens gesprochen, wenn Beziehungen zwar exklusiv sind, jedoch nur über einen bestimmten Zeitraum andauern. Diese Art des Lebenswandels ist  insbesondere in den letzten Jahrzehnten in der westlichen Welt sehr verbreitet.

Fun Fact: Monogamie im Tierreich

Wusstet ihr, dass es Tiere gibt, die noch romantischer sind als der Hamburger Schwan, der einmal in ein Schwanentretboot verliebt war? Kennt ihr die Geschichte?

Die nordamerikanische Feldmaus praktiziert sogar die klassisch verstandene Monogamie, also lebenslanges Zusammenbleiben mit ihrer oder ihrem Mäusepartner*in. Es gibt aber in der Tat nicht besonders viele monogame Tierarten. Ob das etwas über uns Menschen und unsere Natur beweist oder nicht beweist, ist allerdings fraglich. Denn wir können davon ausgehen, dass vor allem die Gesellschaften, in denen wir leben, unser “Paarungsverhalten” beeinflussen. Also zurück zum Thema.

Offene Beziehungsformen vs. Monogamie

Polygamie kommt vom griechischen Wort „Polygamia“ und bedeutet Vielehe. Diese ist in den meisten Ländern verboten. Das Wort ist allerdings überholt und wird kaum noch gebraucht. Heute spricht man von einer offenen Beziehungsform. Sexuelle Interaktionen mit anderen sind dabei erlaubt. Hier müssen die Regeln jeweils individuell entwickelt werden und sind gesellschaftlich nicht festgelegt. Manche Paare einigen sich zum Beispiel darauf, dass jeder wechselnde Geschlechtspartner haben darf, es dem Anderen jedoch nicht unbedingt erzählt. Das Prinzip nennt man auch “Don´t ask, don´t tell”. Es gibt aber auch Paare, die jedes Detail über die sexuellen Abenteuer ihres Partners oder ihrer Partnerin wissen wollen, und von dieser Art der Berichterstattung vielleicht sogar erregt sind. Die sexuelle Offenheit belebt ihre Beziehung dann auf eine besondere Art. Die Regeln sind so individuell wie wir Menschen und unsere Persönlichkeiten. Wenn ihr eure Beziehung öffnen wollt, ist es deshalb wichtig, die Regeln so offen wie möglich zu verhandeln und sich dann auch daran zu halten. Wenn ihr merkt, dass das anfängliche Modell nicht mehr zu euch passt, müsst ihr die Regeln vielleicht nochmal neu bestimmen.

Natürlich bergen diese Konstellationen, genauso wie monogame Beziehungsmodelle, Raum für Konflikte.  Es gibt Leute, die gern offene Beziehungen führen würden, aber dann doch rasend eifersüchtig sind. Und es gibt Leute, die gern treu wären, aber es einfach nicht schaffen. In allen Fällen ist von Anfang an bedingungslose Ehrlichkeit gefragt – auch sich selbst gegenüber. Für welches Beziehungsmodell man sich entscheidet, ist nicht nur von rationalen, sondern auch von emotionalen Bedingungen abhängig. Oft ist da eigene Erfahrung ein guter Indikator. Erst zu merken, dass man zum Beispiel keine offene Beziehung führen kann, weil man total verletzt ist, wenn die oder der andere morgens aus einem fremden Bett zurück nach Hause kommt, kann sehr schmerzhaft, oder auch heilsam sein. Erfahrungen helfen zu akzeptieren, wie man sich vorstellen kann zu leben und wie nicht. Niemand sollte unter einer Beziehung leiden, weil er bewusst oder unbewusst in einer Konstellation lebt, die nicht zu ihm passt. Übrigens verlangt niemand, dass Menschen ihre Beziehung öffnen und sofort ihre Eifersucht verlieren. Mit Eifersucht umzugehen, ist ein langer und oft schwieriger Prozess, der alle Beziehungspartner etwas angeht.

Polyamorie, was ist das genau? Ist fremdgehen auch polyamor?

Im Gegensatz zu polygamen Beziehungen, die sich hauptsächlich auf sexuelle Verbindungen mit anderen beschränken, ist die Polyamorie ein Beziehungsmodell, das auch die emotionalen, sozialen und reproduktiven Bindungen betrifft. Einfach gesagt: Hier geht es im besten Fall um Liebe, langfristige Verbindungen, Zärtlichkeit, Vertrauen und manchmal auch Kinderkriegen. In Beziehungen mit mehreren Menschen.

Wie viele Menschen national und international in polyamoren Beziehungen leben ist unklar. Das liegt zum einen daran, dass es keine gesicherte Definition dafür gibt, ob Fremdgehen, also hinter dem Rücken eines Partners mit Jemand anderem zu schlafen, auch als polyamor gilt. Streng genommen unterhalten Fremdgeher natürlich auch Beziehungen zu mehreren Menschen. Sie tun dies nur nicht offen und ehrlich. Ein Vorgehen, das wir nicht empfehlen können.

Gibt es Polyamorie-Datingapps?

Nicht wirklich. Im Netz findet man nur die üblichen Seitensprung-Portale und natürlich Foren zu dem Thema. Wenn ihr ihr euch wirklich vorstellen könnt, polyamor zu leben, sind Foren eventuell eine gute Gelegenheit, Gleichgesinnte zu treffen und euch mit ihnen auszutauschen. Oder unterhaltet euch doch einfach. Wie früher. Auf Partys. Bei einem persönlichen Gespräch kann man sein Gegenüber immer noch am besten kennen lernen. Wenn ihr Onlinedating bevorzugt, versucht doch mal OKCupid. Da kann man die eigenen Präferenzen am genauesten angeben.

Traut euch, euer Glück nicht von Normen abhängig zu machen

Pauschal zu sagen, dass Monogamie veraltet ist, wäre falsch. Es gibt nach wie vor viele Paare, die mit der Classic Edition der Beziehungsmodelle zufrieden sind. Aber wir haben euch in diesem Artikel aufgezeigt, dass es auch anders geht.

Ausgetretene Pfade zu verlassen und neue Lebensmodelle zu wagen bedeutet gleichzeitig emotional ziemlich viel Arbeit. Besonders in unserer monogam geprägten Gesellschaft. Wir sagen, wagt es trotzdem! Jeder hat verdient zu leben, wie es ihn glücklich macht. Mehr zum Thema Beziehungen findet ihr in unseren weiteren Videos und Artikel und der Kategorie Liebe und Beziehung.

Solltet ihr weitere Fragen, Anregungen oder Ideen zum Thema haben, schreibt uns.

 

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