Sexuelle Gewalt

Sex ist eine wunderschöne Sache zwischen zwei oder mehreren Menschen. Sexuelle Gewalt hingegen bedeutet, dass einer der Beteiligten unter Druck oder gegen seinen Willen zum Sex gezwungen wird. Der Täter muss dem Opfer dabei aber nicht zwangsläufig ein Messer an die Kehle halten: Gewalt beginnt schon mit der Nötigung zum Sex oder Belästigung. Und auch das Ausnutzen von betrunkenen Personen ist strafbar. Statt von „sexueller Gewalt“ spricht man hier eigentlich von „sexualisierter Gewalt“: Denn „sexuell“ ist das Eigenschaftswort von Sexualität und beschreibt in erster Linie etwas sehr Schönes. Im Gegensatz dazu liegt die Betonung bei „sexualisierter Gewalt“ auf der Gewalt, die dem Betroffenen angetan wird. Die häufigsten Formen sexualisierter Gewalt sind: verbale Belästigungen, sexuelle Berührungen, exhibitionistische Handlungen, Masturbation sowie orale, vaginale und anale Vergewaltigungen.

Fakten
– Sexualisierte Gewalt in Deutschland – Aber wie oft kommt sexualisierte Gewalt bei uns in Deutschland überhaupt vor? Die Zahlen sprechen für sich:
58% der Frauen sind schon einmal Opfer sexueller Belästigung geworden
43% waren psychischer Gewalt ihres Partners ausgesetzt
37% der Frauen zwischen 16-85 Jahren haben körperliche Übergriffe erlebt
Jede 7. Frau hat strafrechtlich relevante sexuelle Gewalt erlitten

Die Dunkelziffer wird noch fünf- bis zehnmal höher geschätzt. In den häufigsten Fällen handelt es sich bei den Opfern um Frauen und Mädchen, bei den Tätern in 95 bis 99% um Männer. Es ist aber äußerst wichtig, dass auch die Opfer unter den Jungen und Männern nicht untergehen: Denn das sind oftmals Opfer, die sich nicht trauen, mit jemandem darüber zu sprechen. Opfer leiden oftmals lebenslang unter den Folgen: Depressionen, Schlafstörungen, Flashbacks, Persönlichkeits- und Angststörungen und Posttraumatische Belastungsstörungen sind nur einige mögliche Langzeitfolgen. Je nach Zeitpunkt der Tat und Nähe zum Täter – z.B., wenn er aus dem Familien- oder Bekanntenkreis kommt –, ist die Bewältigung der sexualisierten Gewalt und Ausbeutung besonders schwierig.

– Die Täter – Der größte Teil der Gesellschaft stellt sich einen Vergewaltiger als skrupellose Person vor, die in dunklen Straßen ihren Opfern auflauert. Die Statistiken zeigen allerdings: Sexueller Missbrauch kommt in dem meisten Fällen im Bekanntenkreis von Familie, Freunden, Sport und Arbeit vor. Aber auch in Beziehungen und in der Ehe kann es zu Vergewaltigungen kommen – es ist falsch anzunehmen, dass, wenn eine Person schon einmal mit einer anderen Person geschlafen hat, es unbedingt noch einmal gerne möchte.

– Die Kampagne „No means no“ – heute „Only yes means yes“ – Im Englischen wurde eine Kampagne mit dem Spruch „No means no“ verbreitet. Die rechtliche Grundlage der Aussage war allerdings umstritten: Denn „No means no“ würde ja bedeuten, dass nur, wenn man eindeutig Nein zum Sex sagt, man auch keinen Sex möchte. Dabei wird aber keine Rücksicht auf die Personen genommen, die sich nicht trauen zu widersprechen. Deshalb heißt es in der Kampagne jetzt „Only yes means yes“: Beide Partner müssen sich eindeutig für den Sex aussprechen.

– Die Angst vor Sexualisierter Gewalt und die Realität – Die Angst vor Gewalterfahrungen an bestimmten Orten stimmt oft nicht damit überein, wo die Gewalterfahrungen tatsächlich am ehesten passieren: Frauen fühlen sich z.B. zuhause am sichersten, obwohl es hier am häufigsten zu Gewalt kommt. Männer hingegen fürchten sich kaum an öffentlichen Orten, werden aber am ehesten hier mit Gewalt konfrontiert.

Tipps
Einen 100% sicheren Schutz gegen sexualisierte Gewalt gibt es leider nicht. Aber: Ein selbstsicheres Auftreten und eine aufmerksame Haltung können potenzielle Täter abschrecken. Hier hilft, ebenso wie in einer tatsächlichen Situation, z.B. Selbstverteidigung. Dazu werden auch spezielle Kurse für Mädchen angeboten; die Kampfkünste und Kampfsportarten wie Karate, Judo etc. enthalten natürlich auch Selbstverteidigung.
Prävention: Ebenso wichtig wie Selbstbewusstsein und -verteidigung ist die Prävention: zu verhindern, dass Kinder und Jugendliche sich zu Tätern entwickeln – einer der meist genannten Gründe für sexuellen Missbrauch ist: die Betrachtung der Frau als Objekt der Begierde. Um Kindesmissbrauch vorzubeugen, sollte das Selbstbewusstsein des Kindes gefördert werden: Es ist wichtig, dass Kinder sich bewusst sind „Nein“ sagen zu können und dass diese Aussage auch respektiert wird. Nur so kann ein Hilfesystem aufgebaut werden, das persönliche Übergriffe erkennt.

Fazit
Sex ist nur Sex, wenn beide Menschen es wollen, d.h. sich freiwillig daran beteiligen. Uneindeutige Antworten zählen nicht als Zustimmung: „Only yes means yes“.