Pornografie – Schädlich?

Noch nie war der Zugang zu pornografischen Inhalten so einfach wie heute in der westlichen, vernetzten Gesellschaft. Es gibt nur wenige Deutsche, die nicht irgendwann in ihrem Leben mit Pornografie in Kontakt gekommen sind. Ob im Fernsehen, in Zeitschriften oder durch den Internetgebrauch, der Konsum von Pornografie ist allgegenwärtig. Mittlerweile sind 12% aller Internetseiten pornografisch, täglich kommen rund 270 neue Seiten hinzu. Es handelt sich um ein modernes Problem. Die Verbreitung von pornografischen Inhalten nimmt durch die Vergrößerung des Internets und die Entwicklung des Handysektors zu. Stichproben zeigen, dass Jugendliche zwischen 13 und 16 bereits sexuelle Inhalte gesehen haben und dass dies für viele der erster Kontakt mit Sex war.

Das birgt viele Konflikte. Pornos sind keine Sexdokumentationen. Die Idee mit Pornos etwas über Sex zu lernen, ist falsch und führt zu unrealistischen Vorstellungen. Die Handlungen sind inszeniert und die Darsteller spiegeln nicht den nackten Durchschnitt wider. Sie werden nach ihren Geschlechtsorganen ausgewählt und die Körper der Frauen sind in den seltensten Fälle komplett natürlich. Auch der Orgasmus ist künstlich und das Sperma Fake. Die visuellen Reize von Pornos brennen sich besonders bei jungen Menschen ein. Das Konsumieren von Pornos führt dazu, dass viele Mädchen im jungen Alter den Druck verspüren viele Stellungen auszuprobieren und mehrere Sexpartner zu haben. Jungen nehmen an, besonders lange und kraftvoll vorgehen zu müssen. Es baut sich ein falscher Leistungsdruck auf. Ob Pornos schädlich sind, kann aber nicht eindeutig beantwortet werden. Aktuelle Studien zeigen, dass das Schauen von Pornofilmen nicht nur Erregung auslösen, sondern auch ein mit Sex vergleichbares Erlebnis sein können. Sogenannte Spiegelneuronen im Gehirn sorgen für ein Mit-Fühlen bei bloßer Beobachtung. Schon damals wurden erotische Abbildungen zur Lustschaffung benutzt, zum Beispiel aus dem Kamasutra.

Kurz: Der Konsum von pornografischem Material kann zu einem sexähnlichen Erlebnis führen und hat schon lange Tradition als Unterstützung der Selbstbefriedigung. Und Selbstbefriedigung hat einen klaren Nutzen. Bei Männern z.B. werden Spermien nach drei bis vier Tagen schlecht, nach acht bis zehn Tagen sind sie abgestorben. Das bedeutet, dass durch Masturbation der Mann fruchtbar bleibt. Frauen hingegen lernen durch das Kennenlernen ihres Körpers und ihrer Lust selbst besser zum Orgasmus zu kommen. Darüber hinaus baut Selbstbefriedigung Stress ab. Obwohl das Anschauen von pornografischen Werken nicht der Fortpflanzung im eigentlichen Sinne dient, ist Pornografie ein Element unserer Sexualität. Dahingegen können, wie oben bereits erwähnt, auch erwachsene Menschen durch Pornos falsche Erwartungen entwickeln, die im realen Leben Frust und Beziehungsprobleme erzeugen. Glücklicherweise aber verwechseln psychisch gesunde Menschen Pornos kaum mit der Realität. Auch wird oft davon gesprochen, dass Selbstbefriedigung und Pornos zu Sexsucht führen können. Die Existenz von Sexsucht ist jedoch bisher noch nicht bewiesen worden. Allgemein ist dieses Thema noch sehr unerforscht. Was jedoch klar ist, ist dass durch Pornografie eine Verhaltenssucht entwickelt werden kann. Wie auch in anderen Bereichen im Leben (Putzen, Sport, Computerspiele etc.). Generell gilt: Alles was exzessiv betrieben wird, ist schädlich für deinen Körper.

Der Pornokonsum sollte sich nicht negativ auf das eigene Sexualleben auswirken. Er kann es aber bereichern. So wie viele Selbstbefriedigung als eine „andere Form der Sexualität“ beschreiben, die den Sex mit dem Partner nicht einschränkt. Und auch für das gemeinsame Sexleben von zwei Menschen können Pornos hilfreich sein. 60% der Frauen in Großbritannien geben an, dass sie gerne mit ihrem Partner einen Porno schauen, um sich einzuheizen.

Fakten zu Pornografie

1. Die amerikanische Pornoindustrie verdient mehr als Hollywood
2. 85% der kommerziellen Pornofilme werden in den USA produziert
3. In China befinden sich die meisten Pornokonsumenten
4. In China werden die meisten Sexspielzeuge hergestellt, unter der Umschreibung „Gesundheitsartikel 5. für Erwachsene“
6. Männer schauen statistisch gesehen häufiger Pornos als Frauen
7. Frauen bilden 30% der Pornokonsumenten

Fazit

Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise, dass der Pornokonsum schädlich ist. Kritiker weisen aber darauf hin, dass dem Zuschauer bewusst sein soll, dass es sich bei Pornos um unrealistische Darstellungen handelt. Zudem kann ein Überkonsum von Pornos zu Suchtverhalten führen. Doch gerade beim Sex gilt: Nichts muss, alles kann. Erkundet euch zuerst gegenseitig und findet selbst heraus, was für euch guten Sex ausmacht. Versucht nicht irgendetwas nachzuspielen, guter Sex hat nichts mit Akrobatik oder Leistung zu tun. Solange man sich nicht zu etwas bereit fühlt, sollte man sich auch nicht dazu drängen lassen.