Oversexed – Die neue Generation?

Johannes Gernert schreibt in seinem Buch „Generation Porno“ über die Entwicklung der Sexualität und die Gefahr der Pornografisierung der Gesellschaft durch die heutigen Medien. Ist die junge Generation oversexed? Wenn wir von „oversexed“ reden, dann beschreiben wir Menschen, die das Thema Sex übermäßig in ihren Alltag integrieren. Dabei werden das Verhalten und die gewählten Unterhaltungsthemen der Person betrachtet. Bestätigt wird diese Aussage durch Statistiken, die sagen, dass junge Menschen beispielsweise Gruppensex oder exotische Stellungen als Grundbaustein ihres alltäglichen Sexuallebens sehen. Als Ursache wird der einfache und große Zugang zu pornografischen Inhalten genannt: Pornos sind nicht nur Unterhaltung, sondern wirken mittlerweile wie ein neues Fachbuch für das eigene Sexleben. Allerdings ist diese Entwicklung gefährlich, weil eine falsche Aufklärung stattfindet und die Beziehung zu Sex missverstanden wird – Pornos spiegeln nämlich nicht die Realität wider. Mehr dazu könnt ihr hier in unserem Artikel Pornografie lesen.

Die Frage ist: Stumpfen die sexbesessenen Medien tatsächlich die Jugendlichen ab und lassen sie verrohen? Die permanente Bildlichkeit von Sex führt natürlich dazu, dass Menschen abstumpfen. Sex ist schon lange kein Tabuthema mehr und fester Bestandteil unserer modernen Gesellschaft. Aber: Die „Generation Porno“ weiß genauso gut mit ihrem Sexualtrieb und ihrer Lust umzugehen, wie die Generationen zuvor. Tatsächlich ist es nämlich nicht statistisch bewiesen, dass Jugendliche heute mehr Sex haben als damals. Und auch das Alter des „ersten Mals“ ist nicht niedriger geworden. Kurz: Das Sexualverhalten unterscheidet sich insgesamt kaum von dem von früher. Natürlich gibt es immer wieder extreme Ausnahmefälle – allerdings sollte man diese nicht generalisieren: Die gab es auch schon früher, das Buch „Die 120 Tage von Sodom“ ist z.B. von 1904.

Fazit

Der Zugang zu pornografischem Material ist heute einfach, Videos und Bilder sind massenhaft verfügbar. Allerdings wäre es sehr einseitig zu behaupten, dass der Umgang mit Sex sich dadurch verschlimmert hätte und wir tatsächlich „oversexed“ wären. Wir sollten unterscheiden zwischen dem, was uns die Medien vermitteln, und dem, was davon tatsächlich hängen bleibt. Sexuelle Inhalte gehören zu unserem Alltag und sollten nicht überbewertet werden. Zwar hat sich der Begriff „Porno“ in der Sprache etabliert – das bedeutet aber nicht, dass er auch tatsächlich immer etwas Sexuelles bezeichnet. Sex beginnt im Kopf. Aber ob wir ihn hineinlassen, entscheiden wir selbst. Wir tun es, wenn wir Lust darauf haben und lassen es, wenn wir keine haben – auch wenn pornografisches Material überall verfügbar ist, muss es immer noch aufgerufen werden. Und wie oft wir Lust haben, hat sich biologisch sicherlich nicht plötzlich geändert.

Also keine Panik: Keiner ist tatsächlich oversexed.